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Werte entwickeln sich in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt, meist jedoch ohne gezielte Begleitung und Förderung (Baumert, Fried, Joas, Mittelstraß & Singer, 2002). Es ist zwar davon auszugehen, dass die Förderung von Tugenden und eine Werte- und Charaktererziehung im Rahmen jeglicher pädagogischer Bemühungen immer mitgedacht wird, dies ist aber meist nicht das Resultat pädagogisch geplanter oder gesteuerter Sozialisationsprozesse (Giesecke, 2005). Werte werden vielmehr quasi nebenbei vermittelt, und das, obwohl die Entwicklung und Verwurzelung von Werten und Wertorientierungen im einzelnen Kind und Jugendlichen analog zu unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit komplexer und komplizierter geworden ist.

Grundvoraussetzung dafür, dass Werte auch gelebt werden, ist, dass sie vom Subjekt selbst gefunden und bejaht werden (Standop, 2005). Es ist also nicht damit getan, einen für alle Menschen gültigen Grundwertekatalog vorzugeben, denn Wertebindung, also die innerliche Verpflichtung, sich an Werte zu halten, entsteht nicht durch die Kenntnis von Werten, sondern durch praktische Erfahrungen mit Werten, und diese Erfahrungen müssen vermittelt und organisiert werden (Baumert et al., 2002). Der Weg dorthin sollte dialogisch, begleitend und beziehungsorientiert sein (Mokrosch & Regenbogen, 2009). Als Mittel der Wahl haben sich hierfür Erzählungen bewährt, denn das Erzählen bzw. Vorlesen von Geschichten schafft einen Raum innerhalb dessen Werte, Regeln und Tugenden für Kinder bedeutungsvoll werden und in einem interaktiven Prozess spielerisch und kindgerecht thematisiert und reflektiert werden können (Leming, 2000). Erzählungen und Geschichten haben zudem den Vorteil, dass sie situationsspezifisch eingesetzt werden können, und Lernen so per flexibler Anpassung an die motivationalen und emotionalen Ausgangsbedingungen der Kinder optimiert wird (Spitzer, 2007). Mittels passender Geschichten können so nicht nur aktuelle Themen aufgegriffen und vertieft, sondern auch neue Themenfelder eröffnet werden. Narrative ermöglichen somit eine optimale Balance zwischen „Vorgabe“ und „selbst (Er)Finden“, also zwischen der gezielten Einführung „neuer“ Werte und Tugenden einerseits und der eigenmotivierten Erarbeitung und Vertiefung „bekannter“ Werte und Tugenden andererseits.

 

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