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Die Presse über die HPZ-Programme


Umgang mit Wut erlernen


"Faustlos" wird ein Programm für alle Kinder


Erziehung: Mit Gefühlen gegen die Wut


Magersucht soll in Schulen ein Thema werden


Nächster Schritt im "Faustlos"-Projekt


Dritte Stufe der Gewaltprävention startet an weiterführenden Schulen


Kinder lernen Konflikte ohne Gewalt zu lösen


"Stark ist nur, wer mit seinen Gefühlen umgehen kann"

Im Einzelnen:

  Umgang mit Wut erlernen

„Faustlos“ beginnt in den Kindergärten / Sparkassenstiftung fördert Einführung

Nettetal (ib/dv). „Immer weniger Jugendliche können mit Emotionen umgehen, die Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen nimmt zu“, so Dr. Andreas Schick vom Heidelberger Präventionszentrum, der auf Einladung der Nettetaler Sparkassenstiftung eine Einführung in das Gewaltpräventionsprogramm „Faustlos“ gab, das von der Nettetaler Sparkassenstiftung gefördert wird. Die Zunahme von aggressiven Handlungen von Kindern in Kindergarten und Schule verlangt zunehmend nach Lösungen im Sinne von Intervention und vor allem aber im Sinne von Prävention., „Es ist ein trauriges Ergebnis unserer Gesellschaft“, so die stellvertretende Bürgermeisterin Beatrix Müllers-Kostas. Die Vorsorgekonzepte scheinen sowohl langfristig erfolgreicher als auch deutlich kostengünstiger zu sein als Interventionsmaßnahmen. „Wir müssen versuchen, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen“, so Beatrix Müllers-Kostas. Eingeladen waren die Leiter von Kindergärten und Grundschulen sowie Elternvertreter.
Das Gewaltpräventionsprogramm „Faustlos“ wird bereits seit zwei Jahren mit Erfolg im DRK-Familienzentrum Lobberich eingesetzt. Dort hat man bereits sehr positive Erfahrungen mit dem Programm gemacht, wie Erzieherin Julia Reese bestätigt. Einmal in der Woche findet eine Faustlos-Sitzung in Kleinstgruppen statt. In diesen Sitzungen lernen die Kinder beispielsweise anhand von Bildern Emotionen bei anderen richtig zu deuten. Im DRK-Familienzentrum wurde das gesamte pädagogische Personal in dem Programm geschult, so dass alle täglich mit und an dem Programm arbeiten können. „Ich freue mich, dass so ein gute Programm jetzt in allen Nettetaler Kindergärten eingeführt wird“, so Erzieherin Reese. Im Lobbericher Familienzentrum gibt es sogar ein eigenes Symbol für das Programm: Die rechte Hand wird zur Faust geballt, die linke zeigt die offene Hand. „Die Kinder reagieren sofort auf das Programm, die Ergebnisse sind von daher sehr beeindruckend“, so Reese. Bundesweit gehört das Programm zum festen Bestandteil des Lern- und Lebensumfelds von Kindern. Das Programm setzt sehr früh ein, denn „je früher, desto besser“, so Dr. Schick vom Heidelberger Präventionszentrum. Gewalt würde meist als Spaßmacher verkauft, „Frieden ist so langweilig“, setzte Dr. Schick seinen Vortrag fort. Mit „Faustlos“ sollen möglichst viele Kinder erreicht werden, „man arbeitet mit allen Kindern“, so der Diplom-Psychologe. Ärger und Wut sind normale und wichtige Facetten des Gefühlslebens. Diese Gefühle werden erst dann zum Problem, wenn sie zu körperlicher oder verbaler Gewalt führen. Deshalb arbeitet „Faustlos“ in drei Einheiten: Der Empathieförderung, will heißen, die eigenen Gefühle wahr zu nehmen, sich in andere hinzeinzuversetzen, der Impulskontrolle, das heißt, der konstruktive Umgang mit Impulsen wird gefördert. Den Kindern werden Gedankenschritte zur Lösung zwischenmenschlicher Konflikte vermittelt und drittens, den Umgang mit Ärger und Wut. Die Selbstwahrnehmung der Kinder wird gefördert, positive Selbstverstärkungen werden mit Beruhigungstechniken verbunden. Den Kindergärten wird ein umfangreiches, praxisorientiertes Material zur Verfügung gestellt, das Kindergarten-Curriculum umfasst 28 Lektionen, die von den Erzieherinnen und Erziehern durchgeführt werden sollen. Vorab nehmen sie an einer entsprechenden Fortbildung des Heidelberger Präventionszentrums teil. Erweist sich „Faustlos“ in den Kindergärten als positiv, will die Sparkassenstiftung in der nächsten Sitzung im Frühjahr kommenden Jahres entscheiden, ob „Faustlos“ auch an den Grundschulen eingeführt werden soll.

  "Faustlos" wird ein Programm für alle Kinder

Von Philipp Peters

Nettetal. Schon ab dem Vorschulalter will das Projekt „Faustlos“ des Heidelberger Präventionszentrums Kinder eine möglichst gewaltfreie Konfliktbewältigung nahe bringen. Die Sparkassenstiftung hat ihre finanzielle Unterstützung zugesagt. Es sollen sich möglichst alle Kindertagesstätten in Nettetal an dem Projekt beteiligen. Das sieht auch Andreas Zorn vom DRK-Familienzentrum in Lobberich so: „Kinder sind unser wertvollstes Gut. Wenn nicht in sie investiert wird rächt sich das später“, sagt er. Begonnen hatte alles mit einer Idee in Lobberich. Das DRK-Familienzentrum und die Hauptschule planten eine intensivere Zusammenarbeit in der Gewaltprävention. „Ich hatte von diesem Projekt gehört“, sagt Zorn. Für die Zusammenarbeit mit der Hauptschule begann die Suche nach Geldgebern. Die Sparkassenstiftung erweiterte die Idee: Sie will allen Kindertagesstätten in Nettetal die Präventionsarbeit ermöglichen.

Intensive Arbeit mit Kindern
Denn Faustlos bedeutet intensive Arbeit mit Kinder über einen längeren Zeitraum. Darauf müssen die Erzieherinnen gut vorbereitet sein. Sie besuchen Fortbildungsseminare, für die Arbeit mit den Kindern gibt es rund 400 Euro kostende Materialkoffer. Zur Informationsveranstaltung, in der Mitentwickler Dr. Andreas Schick das Konzept erklärte, waren alle Kindergärten und die Grundschulen eingeladen. Auch sie sollten Informationen zu „Faustlos“ erhalten. Ob die Sparkassenstiftung auch sie unterstützt, wird das Kuratorium noch entscheiden. „Faustlos“ arbeitet drei elementare Punkte ab: Empathieförderung der Kinder, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut. Gerade in der Impulskontrolle können die „Problemfälle“ glänzen, da sie nicht als warnendes Beispiel herhalten müssen, sondern mitarbeiten können. Auch lernen die Kinder durch Wiederholung und Bilder Mimiken richtig zu deuten. „Oft ist es für Kinder nicht leicht zu unterscheiden zwischen verschiedenen Gefühlslagen“, berichtet Zorn. Die Anträge für die erforderliche Unterstützung durch die Sparkassenstiftung können alle Tagesstätten im zuständigen Dezernat, möglichst für die gesamte Tagesstätte, stellen. Sollten sich Eltern für das Thema interessieren, dann ist das Buch „Faustlos – Wie Kinder Konflikte gewaltfrei lösen lernen“ von Manfred Cierpka geeignet, es kostet 9,90 Euro.

  Erziehung: Mit Gefühlen gegen die Wut

von Joachim Burghardt
Das Programm „Faustlos“ soll helfen, in Kindergärten Gewalt zu verhindern.

Lobberich. Gewalt wächst schnell: Sabine klaut Sebastian die Mütze– und der langt ihr eine. „Aus dieser Wechselbeziehung kann eine Spirale der Aggression entstehen“, mahnt der Psychologe Andreas Schick. Das Opfer Sebastian werde so zum Täter und die Täterin Sabine zum Opfer. Damit Aggression unter Kindern sich nicht später zu Gewalt unter Jugendlichen und Erwachsenen auswächst, soll das Projekt „Faustlos“ schon in Kindergärten vorbeugen helfen. „Faustlos“ wurde am Montagabend rund 50 Erziehern und Lehrern aus Nettetal vorgestellt.

Interessierte Nettetaler Kindergärten können sich bis zum 17. Dezember im Rathaus für das Programm anmelden und Schulungen beantragen. Die Nettetaler Sparkassenstiftung übernimmt die Kosten, eventuell 2009 auch für Grundschulen.
Heinz-Gerd Schummers, Fachbereich Schule, Tel.02153/8984001

„Nicht warten, bis sich Gewalt verhärtet, Friedenserziehung setzt vorher an“, erklärte Psychologe Schick vom Heidelberger Präventionszentrum. „Als Familientherapeut weiß ich: Es muss sehr viel passiert sein, bis jemand endlich zum Psychologen geht. Wir sollten vorbeugen, damit erst gar nichts passiert.“ Und das geht so: Jungen und Mädchen lernen spielerisch, dass Gewalt im Miteinander nichts zu suchen hat. Gefühle spielen dabei eine große Rolle: Die eigenen Gefühle und die der anderen wahrzunehmen, darauf baue „Faustlos“, so Schick. Kinder lernen, gewaltfrei mit Ärger und Wut umzugehen: „Ängste und Aggressionen gehen zurück, Kinder sind fitter, um festzustellen, wie sich jemand fühlt.“. Das bestätigte Andreas Zorn vom DRK-Familienzentrum Lobberich: „Wir arbeiten bereits erfolgreich mit dem Konzept.“ Das Programm läuft zunächst für ein Jahr. Die Handpuppen Wilder Willi und Ruhiger Schneck dienen als Medien – Friedenserziehung soll Spaß machen.

Die Kosten für Materialien und Schulungen übernimmt die Nettetaler Sparkassenstiftung. Im Mai 2009 werde das Kuratorium beraten, ob auch Grundschulen gefördert werden, teilte Jochem Dohmen von der Sparkasse Krefeld mit. Enttäuscht zeigten sich einige Lehrer, die „Faustlos“ gern schon jetzt einsetzen würden.

Was aber halten Kinder von „Faustlos“? Schick zeigte Briefe: „Wir lernen, dass man mit einer Faust nichts anfangen kann“, schrieb Samantha. Und Shantee: „Ich lerne, dass ich nicht schlagen soll, sondern ignorieren.“ Samantha und Shantee würden wohl, anders als in Schicks Beispiel von Sabine und Sebastian, niemandem mehr die Mütze klauen.

  Magersucht soll in Schulen ein Thema werden

Betriebskrankenkassen, Sozial- und Kultusministerium starten Präventionskampagne

STUTTGART. Essstörungen gehören zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen unter Jugendlichen. Die Betriebskrankenkassen wollen mit der Initiative “Bauchgefühl“ Mädchen und Jungen aufklären und für ein gesundes Essverhalten sensibilisieren.
Von Sabine Nedele

Schirmherrin des Projekts, das vorerst an drei Schulen beginnt, ist Sozialministerin Monika Stolz (CDU). Sie berichtete, dass 56 Prozent der 13- und 14-Jährigen Mädchen dünner sein wollten, 63 Prozent wollten besser aussehen. Das seien „beunruhigende Zahlen“, deshalb müsse man frühzeitig gegensteuern und die Jugendlichen sensibilisieren. Insgesamt haben 29 Prozent der elf- bis 17-Jährigen Mädchen Symptome einer Essstörung, bei den Jungen sind es 15 Prozent. Deshalb haben die Betriebskrankenkassen im Land (BKK) das Projekt zur Prävention von Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Fettsucht oder sogenannten Essattacken initiiert. An den Pilotschulen in Weinheim, Mannheim und Heidelberg soll es in den sechsten und siebten Klassen geschlechtsspezifische Unterrichtseinheiten geben. Die Schülerinnen sollen im Programm „PriMa“ (Primärprävention Magersucht) neun Doppelstunden lang lernen, sich mit Schönheitsidealen, Leistungsdruck und der eigenen Körperwahrnehmung auseinanderzusetzen. Das Programm „Topp“ (Teenager ohne pfundige Probleme) richtet sich dagegen an Jungen und zielt auf die langfristige Veränderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, um Fettleibigkeit zu vermeiden. Beide Programme wurden vom Heidelberger Präventionszentrum entwickelt, dort werden auch die Lehrer geschult. Ein Internetauftritt (www.bkk-bauchgefuehl.de) rundet das Angebot ab, Betroffene können sich hier informieren, Rat holen oder sich im Forum austauschen. Das Projekt, für dessen Entwicklung die BKK vorerst etwa 70 000 Euro zur Verfügung gestellt hat, wird wissenschaftlich begleitet. Die Patin der Initiative ist die Popsängerin und Echopreisträgerin LaFee. Dass die junge Frau bei der Zielgruppe ankommt, zeigte sich bei der Präsentation der Initiative im Elly-Heuss-Gymnasium in Bad Cannstatt - kreischende Schüler bereiteten ihr einen begeisterten Empfang.

  Nächster Schritt im "Faustlos"-Projekt

Entwickler Andreas Schick reiste eigens aus Heidelberg an

Von Eva Maria Connemann

Delmenhorst. In den Grundschulen und Kindergärten ist es bereits bekannt, das Projekt „Faustlos“. Seit August 2002 fördert der Kriminalpräventive Rat (KPR) in Delmenhorst das Konzept zur Gewaltvorbeugung. Nun geht es in die nächste Runde: Auch die weiterführenden Schulen sollen an „Faustlos“ teilnehmen, und zwar ab der siebten Klasse. Aus diesem Grund hatte Angelika van Ohlen, Geschäftsführerin des KPR, gestern Andreas Schick, den Geschäftsführer des Heidelberger Präventionszentrums und Entwickler des „Faustlos“-Programms, eingeladen. Viele Vertreter der Delmenhorster Haupt- und Realschulen kamen zu der Veranstaltung und nutzten sie, um Fragen zu stellen. Nach einer kurzen Einleitung von Gerd Schütte, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Gewaltprävention und bis vor kurzem noch Delmenhorster Polizei-Chef, bezüglich der Wichtigkeit des Projektes übernahm Andreas Schick mit seiner in drei Teile gegliederten Präsentation. Zunächst berichtete er über die Inhalte und Aufgaben des „Faustlos“-Lehrplans. Das Projekt stammt ursprünglich aus Amerika, genauer gesagt aus Seattle. Hier seien viele Umfragen und Studien mit aggressiven Kindern durchgeführt und drei große Schwächen festgestellt worden. Aus diesen Ergebnissen resultieren die drei Hauptsäulen des „Faustlos“-Projektes: Mitfühlen, Impulskontrolle und ein konstruktiver Umgang mit Ärger und Wut. „Das Problem besteht oftmals in der Sprachlosigkeit“, erklärte Schick. Infolgedessen drückten sich manche Kinder eben körperlich aus. Deswegen sollten die Lehrerinnen und Lehrer fünf Themenbereiche in 31 Lektionen vermitteln. Vieles konnten die Pädagogen auch bereits für sich selbst mit aus der Veranstaltung nehmen. Der ehemalige Paar- und Familientherapeut Schick streute geschickt psychologische Erkenntnisse ein. „Man muss lernen zwischen primären und sekundären Gefühlen zu unterscheiden“, sagte Schick. So reagierten die meisten Menschen eher mit Ärger als ihr stärkeres Gefühl, wie zum Beispiel Scham, zu zeigen. „Wer sagt schon gerne von sich, dass er inkompetent sei“, erklärte Schick, „lieber flucht man erst mal“. Es gelte, den Jugendlichen dies bewusst zu machen und es zu verstehen.

Im Anschluss erläuterte Schick das Unterrichten anhand eines Beispiels. Mit einem Sketch sowie einem Videoclip untermalte der Psychologe seinen Vortrag und hatte schnell die Lacher auf seiner Seite. Aber auch Kritik äußerten einige Anwesende in der auf Schicks Ausführungen folgenden Fragerunde. „Ist das realistisch, jede Woche eine Einheit zu machen?“, fragten manche, und „Ist das nicht zu anspruchsvoll?“ sorgten sich andere. Doch Schick wusste sie mit der Aussage einer englischen Kollegin zu beruhigen: „Ich habe insgesamt viel mehr Zeit zur Verfügung, weil die anderen Probleme einfach nahezu verschwunden sind.“

  Dritte Stufe der Gewaltprävention startet an weiterführenden Schulen

„Faustlos“ hilft Siebtklässlern bei der Konfliktbewältigung

Delmenhorst (Konk). Längst ist „Faustlos“ in der Stadt zum Synonym für gelungene Gewaltprävention in der Kindergärten und Grundschulen geworden. Mit Beginn des kommenden Jahres soll das Projekt, das nicht nur Aggressionen unter Schülern verhindern hilft, sondern auch deren soziale Kompetenz positiv beeinflusst, Einzug an Haupt- und Realschulen halten. Seit September 2001 fördert der Kriminalpräventive Rat (KPR) die Erziehung zu gewaltfreiem Miteinander, auch diesmal möchte er das neue Fortbildungsangebot des federführenden „Heidelberger Präventionszentrums“ für Lehrer der Sekundarstufe unterstützen. Dessen Geschäftsführer, Dr. Andreas Schick, stellte gestern im Rathaus Vertretern aller Delmenhorster Haupt- und Realschulen Einzelheiten vor. „In insgesamt 31 jeweils eine Schulstunde langen Lektionen sollen unter anderem der Umgang mit Ärger und Wut ebenso vermittelt werden, wie die Sprachfertigkeit zur Äußerung von Gefühlen, damit zwischenmenschliche Konflikte nicht in Handgreiflichkeiten münden“, sagte er. Ziel müsse es sein, Einsichten zu schaffen. Den Siebtklässlern sollen allerdings nicht nur Lösungsansätze vorgezeichnet werden: „In Rollenspielen werden sie selbst in der Lage sein, Handlungsansätze zu erarbeiten“, erläuterte Dr. Schick. Mit der Präsentation des in den USA entwickelten und in Heidelberg an hiesige soziale Verhältnisse angepassten Projektes überzeugte der Referent die Anwesenden. Alle Hauptschulvertreter äußerten im Anschluss die Absicht, ihre Kollegien schulen zu lassen. Auch Seitens der Realschulen stieß das Konzept auf Zuspruch. Als Starttermin wurde der kommende Januar anvisiert. Danach könnte „Faustlos“ zu Schulfach werden. Fachdienstleiter Rudolf Mattern begrüßte die zukünftige dritte Stufe, die nach Fulda in Delmenhorst als weiteres Pilotvorhaben Einzug halten könnte: So stiege die Chance, dass alle Kinder und Jugendlichen wenigstens einmal davon profitieren könnten.

  Kinder lernen Konflikte ohne Gewalt zu lösen

Projekt „Faustlos“ startet in Pfullendorfer Kindergärten – Einfühlungsvermögen als wichtiges Mittel gegen Gewalt

Pfullendorf (kaj) Schneck und Willi, eine Schnecke und ein Hund, werden demnächst Einzug in die Kindergärten Regenbogenland und Denkingen halten. Die Stofftiere sind Bestandteil des Projekts „Faustlos“, das nach und nach in Kindergärten und Schulen eingeführt werden soll. Das Heidelberger Präventionszentrum hat das Programm zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und zur Gewaltprävention entwickelt, unterstützt wird es vom Bündnis für Kinder. Die Erzieherinnen der städtischen Kindergärten haben im September in Pfullendorf eine Fortbildung besucht. Nun gilt es, die Projektinhalte dauerhaft in den Kindergartenalltag einzubauen. Das Wissen soll den Kindern vor allem über Rollenspiele und praktische Übungen vermittelt werden. Was es mit „Faustlos“ genau auf sich hat, erklärte Dr. Roland Rahm aus Bad Saulgau im Rahmen eines Elternabends im Regenbogenland. Der Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat das Projekt vor zwei Jahren im Jim-Knopf-Kindergarten und in der Berta-Hummel-Schule in Bad Saulgau ins Rollen gebracht. Mittlerweise wurden im Landkreis Sigmaringen rund 350 Erzieherinnen aus 60 Einrichtungen geschult. Dass Gewalt im ländlichen Raum durchaus ein Thema ist, zeigt die Statistik der Körperverletzungsdelikte. Die Anzahl der ermittelten Jungtäter im Alter zwischen 14 und 21 Jahren hat auch im Landkreis Sigmaringen deutlich zugenommen. Die Formen von Gewalt sind vielfältig, wie Dr. Rahm aufzeigte, angefangen von Kriegen bis hin zu Schulhofschlägereien. Er erwähnte Vandalismus, sexuellen Missbrauch, seelische Gewalt und Gewalt in den Medien. Gewalt finde oft im Verborgenen statt und am häufigsten innerhalb der Familie. „Vernachlässigung ist auch eine Form der Gewalt“, erklärte Rahm. Wichtig sei es, schon Kleinkinder für das Thema zu sensibilisieren. Empathieförderung, Impulskontrolle und der Umgang mit Ärger und Wut sollen gelehrt werden. „Es geht nicht darum, negative Emotionen wegzuerziehen, sondern konstruktiv damit umzugehen.“ Auf kindgerechte Art sollen schon die Jüngsten soziale Kompetenzen und Strategien lernen, Probleme zu lösen. „Das Projekt ist sehr praxisorientiert, es handelt sich um Situationen, die nicht aus der Luft gegriffen sind“, lobten die Kindergartenleiterinnen Theresia Michelberger und Susanne Rusch.
Nach dem Vortrag erwähnt eine Mutter, dass sich aggressives, verletzendes Verhalten unter Kinder nach ihrer Erfahrung oft verbal äußere. „Kindergartenkinder können einander mit Worten weh tun.“. Eine andere Mutter, deren älteste Tochter gerade eingeschult wurde, bestätigte diese Beobachtung. „Kinder haben größte Lust am Ausgrenzen von anderen.“ Mehrfach wurde in der Diskussion von Seiten der Mütter der Wunsch geäußert, sowohl Elternhaus als auch Schule in das Projekt einzubinden. Es ist in der Tat angedacht, das Projekt in den Schulen weiterzuführen. In der Pfullendorfer Grundschule am Härle wird „Faustlos“ zum Beispiel nach den Herbstferien in den Stundenplan aufgenommen.

  "Stark ist nur, wer mit seinen Gefühlen umgehen kann"

Erzieherinnen der Kindertagesstätte absolvierten Einführung in das „Faustlos“-Projekt

Grävenwiesbach (ek). Gewaltprävention ist bereits seit geraumer Zeit in der Konzeption der Kindertagesstätte Grävenwiesbach eingebunden. Am Samstag absolvierten alle 14 Erzieherinnen und Betreuerinnen der Kindertagesstätte die Einführung in das Projekt „Faustlos“, ein Curriculum zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen.
„Das Schöne ist, man kann es einfach umsetzen“, hob Einrichtungsleiterin Ursula Eisinger einen entscheidenden Vorteil dieses Konzeptes hervor, das Trainer Uwe Kanzleiter im Auftrag des Heidelberger Präventionszentrums vorstellte. Um Faustlos möglichst vielen außerfamiliären Institutionen wie Kindertagesstätten und Schulen zur Verfügung zu stellen, hatte Professor Dr. med. Manfred Cierpka vom Universitätsklinikum Heidelberg das Heidelberger Präventionszentrum gegründet. Faustlos gehört inzwischen im deutschsprachigen Raum an vielen Grundschulen und Kindergärten zum festen Bestandteil des Lern- und Lebensumfeldes von Kindern und Erwachsenen.
Faustlos will alters- und entwicklungsgemäß zentrale gewaltverhindernde Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Selbstbeherrschung und den Umgang mit heftigen Gefühlen bei Kindern und Jugendlichen fördern. Diese drei Einheiten sind in einzelne Lektionen unterteilt. Übergeordnetes Ziel von Faustlos ist die Erweiterung des Verhaltens- und Erlebensrepertoires von Kindern, damit sie flexibler auf die verschiedenen sozialen Situationen reagieren können, um an Konfliktfähigkeit und Selbstbewusstsein zu gewinnen.
Damit die Erzieherinnen das Projekt mit den Kindern selbständig durchführen können, erhielten sie am Samstag Anleitungen und erprobten einige Übungen in Rollenspielen. In der Lektion über Einfühlungsvermögen geht es um die anderen wahrzunehmen und zu erkennen. Diese Einheit bezeichnete Kanzleiter als zentralen Baustein von Faustlos. Wichtig sei es aber auch, einen konstruktiven Umgang mit Impulsen zu fördern.
Hierbei sollen den Kindern schrittweise systematische Gedankenschritte zur Lösung zwischenmenschlicher Konflikte vermittelt werden. Ärger und Wut als wichtige Facetten des Gefühlslebens würden erst dann zum Problem, wenn sie zu körperlicher oder verbaler Gewalt führen. Faustlos arbeite daher auf den konstruktiven Umgang mit Ärger und Wut hin, ebenso wie auf die Verbindung von „positiver Selbst-Verstärkung“und Beruhigungstechniken. „Stark ist nur, wer mit seinen Gefühlen umgehen kann und nicht in die Ärger- und Wut-Fallen hineinläuft“, erklärte Kanzleiter.


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