Presse

Alle Fortbildungen und Seminare
Homepage von FaustlosHomepage der KieselschuleHomepage von TOPPHomepage der Elternschule
Werte bilden - KlarigoSeminare zur Organisations- und PersonalentwicklungSeminare für Lehr- und Erziehungskräfte
 

Die Presse über die HPZ-Programme


Ohne Faust geht es viel besser


"Faustlos" mindert Aggression


Ohne Streit und Aggression geht´s auch


"Faustlos" im Kindergarten


FAUSTLOS: Schlaglicht im grauen Schulalltag


Bürgerstiftung geht "Faustlos" in die Zukunft


Auch Friedfertigkeit können Kinder lernen


Ein Stück weit Frieden im Alltagsstress


"Faustlos": Wie Kinder ihre Krisen ohne Schläge lösen


Non scholae ...


Als ob Gewalt das letzte Mittel wäre


Ein Koffer gegen die geballte Faust

Im Einzelnen:

  Ohne Faust geht es viel besser

Kindergärten aus der Region praktizieren das Projekt „Faustlos“ – Emotionen interpretieren lernen

Von Marion Gottlob


Der vier Jahre alte Thomas war im Kindergarten einfach unausstehlich. Ständig boxte und trat er die andern Kinder und nahm ihnen die Spielsachen weg. Dann beteiligte sich sein Kindergarten an dem Projekt „Faustlos“, und Thomas (Name geändert) dufte mitmachen. In einer Gruppe lernte er ganz neue Dinge, die ihm vorher nicht bewusst waren. „Wenn ich anderen Kindern etwas wegnehme, sind sie traurig“, sagt er. Heute spielt er lieber mit den anderen Kindern zusammen, anstatt ihnen die Sachen wegzunehmen. Ja, er ist sogar so eifrig, dass er inzwischen jüngeren Kindern zeigt, dass man anderen nichts wegnehmen darf ...

Es ist eine tolle Sache: 14 Kindergärten aus Mannheim, Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis haben sich an einer Studie über das Konzept „Faustlos“ beteiligt. Das Programm wurd nach einem amerikanischen Vorbild am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt, und zwar von der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie unter Leitung von Prof. Manfred Cierpka. Mit dem Programm sollen Kinder lernen, wie sie gewaltfrei Konflikte und Meinungsverschiedenheiten lösen können, also „ohne Fäuste“. Die „Faustlos“-Studie an den Kindergärten wurde von der Landesstiftung Baden-Württemberg mit 150 00 Euro finanziert. (Eine Studie für Grundschul-Kinder lag schon vor). Für die Studie haben sieben Kindergärten mit rund 60 Kindern das Faustlos-Konzept angewandt, sieben weitere wurden zum Vergleich beobachtet. Die Studie bestätigte nun den Erfolg des Faustlos-Konzepts: Die „Faustlos“-Kinder können besser mit Konflikten umgehen. „Für die Mannheimer Kinder ist das Konzept „Faustlos“ zu einem wichtigen Gut geworden“, lobte die Mannheimer Bürgermeisterin Mechthild Fürst-Diery in einer Pressekonferenz. Wie funktioniert die Sache? Zunächst gab es eine eintägige Schulung für die Mitarbeiter der Kindergärten, die einen Materialien Koffer für 28 Faustlos-Lerneinheiten erhielten. Eine Einheit dauert zwischen 10 und 60 Minuten, je nachdem, wie lange die Kinder mitmachen. Einige Kindergärten absolvierten ein Mal in der Woche eine „Faustlos“-Einheit, andere jeden TAg. In dem Kinder-Programm gibt es drei große Lernschritte: Die Kinder lernen zuerst, ihre eigenen Gefühle besser wahrzunehmen: Bin ich wütend? Oder traurig? Warum? Kann ich das in Worten ausdrücken? Und was kann man tun, um mit den eigenen Gefühlen besser umzugehen? „Die Kinder lernen Techniken, wie sie sich beruhigen können“, erklärt Prof. Cierpka. Zum Beispiel dreimal tief Luft holen oder langsam bis fünf zählen. Dann lernen die Kinder, bei andern die Gefühle besser zu verstehen: Wenn ein anderes Kind zum Beispiel auf den Boden schaut, dann ist es vielleicht traurig. Wenn es lacht, dann ist es glücklich. Zuletzt üben die Kinder in Rollenspielen, wie man Konflikte lösen kann.

Im Mannheimer Kinderhaus hat Leiterin Maja Fiskus zusätzlich mit „ihren“ Vorschulkindern einige Regeln aufgestellt: „Wir hören zu, wenn jemand spricht. Wir lassen andere Kinder ausreden. Wir schauen uns an, wenn wir miteinander reden. Wir melden uns, wenn wir etwas sagen möchten. Wir albern nicht herum. Wir benutzen keine Schimpfwörter.“ Die erste Kindergruppe hat begeistert mit gemacht, eine zweite Gruppe läuft, und eine dritte Gruppe soll im Januar starten. Ja, inzwischen hat sich sogar eine Schule bei Maja Fiskus gemeldet und nach dem Faustlos-Projekt gefragt, weil die neu eingeschulten Kinder auf dem Schulhof vermitteln, statt bei einer Prügelei mitzumachen. Prima! Rund 600 Kindergärten in ganz Deutschland wenden das „Faustlos“-Konzept schon an, sie werden sich über die positiven Ergebnisse der Studie sicher mitfreuen.

  "Faustlos" mindert Aggression

Heidelberger Curriculum erfolgreich

Sm. Der Umgang mit der eigenen Aggression kann erlernt werden: Das Heidelberger Curriculum „Faustlos“, ein Lernprogramm für Kindergarten-Kinder zur Gewaltprävention, stärkt die Fähigkeiten der Kinder, Probleme und Ängste emotional zu bewältigen, und beugt aggressivem Verhalten im Kindergarten vor. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Evaluationsstudie in Deutschland, die den Einsatz von „Faustlos“ im Kindergarten untersucht. Sie wurde von der Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt und jetzt bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Das Heidelberger sozial-emotionale Curriculum „Faustlos“ wurde nach dem Vorbild des amerikanischen Programms „Second Step“ von der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums unter Leitung von Professor Dr. Manfred Cierpka entwickelt. In 28 Lektionen werden emotionale und soziale Kompetenzen spielerisch vermittelt. „Faustlos“ wird mittlerweile in rund 600 Kindergärten im ganzen Bundesgebiet praktiziert. Zu einer zweiten Version für Grundschüler liegen bereits positive Testergebnisse vor, die seine Effektivität belegen. An der Evaluationsstudie im Kindergartenalter nahmen 14 Kindergärten in Heidelberg, Mannheim und Umgebung teil. Die Studie erbrachte die Ergebnisse: Die „Faustlos“-Kinder konnten die Gefühle anderer Menschen eher erkennen und differenzierter beschreiben. Sie entwickelten mehr Lösungsmöglichkeiten für zwischenmenschliche Probleme. Sie gaben an, in Konfliktsituationen häufiger sozial zu reagieren. Sie sahen eher negative Konsequenzen von aggressivem Verhalten voraus und verfügten über ein größeres Repertoire an Beruhigungstechniken. Aus den Ergebnissen ziehen Professor Cierpka und seine Mitarbeiter den Schluss, dass in sechs Monaten Kompetenzen zur Gewaltprävention erlernt werden können.

  Ohne Streit und Aggression geht´s auch

Heidelberger Projekt „Faustlos“ trainiert Kindergartenkinder erfolgreich in sozialer Kompetenz

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Haas

Heidelberg. Die Bauklötze wollen einfach nicht stehen bleiben. Immer wieder muss Lara von vorne beginnen. Langsam wird die Vierjährige ungeduldig. „Oh Mist“, tönt es zum dritten mal aus der Spielecke. Schon bei Kindern kippt eine solche Situation schnell in aggressives Verhalten. Das Projekt „Faustlos im Kindergarten“ der Universität Heidelberg zeigt, dass dies nicht sein muss. Die jetzt vorgelegte Studie der Landesstiftung Baden-Württemberg belegt, dass Gewaltpräventionstraining auch bei Drei- bis Sechsjährigen schon nach einem Jahr erstaunliche Verhaltensänderungen erzielt. „Die Ergebnisse stimmen uns sehr zufrieden“, sagt Professor Dr. Manfred Cierpka, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung an der Universität Heidelberg. Nach dem Vorbild des amerikanischen Programms „Second Step“ entwickelte er zusammen mit Dr. Andreas Schick und Götz Egloff „Faustlos im Kindergarten“ und ließ in den vergangenen zwölf Monaten in 14 Einrichtungen in der Region emotionale und soziale Kompetenz trainieren. Vor allem durch Rollenspiele und Lieder lernten die Drei- bis Sechsjährigen spielerisch, mit Gefühlen besser umzugehen. „Unser Stoffhund Wuffi beißt zum Beispiel immer, wenn er nicht bekommt, was er will“, erklärt Maja Fiskus, Leiterin des Kinderhauses Kerschensteiner in Mannheim. „Wir haben deshalb gemeinsam überlegt, warum er das wohl macht und was er ändern muss.“

Für die Wissenschaftler zeigte sich außerdem, dass die Kinder, die an den 28 „Faustlos“-Lektionen teilgenommen haben, mit Konfliktsituationen wesentlich sozialer umzugehen wissen. „Auch Fünfjährige sind nach einer Lernphase durchaus fähig, sinnvolle Lösungen für zwischenmenschliche Probleme zu finden“, so Cierpka. Im Gryphiuskindergarten in Schönau werden jetzt zum Beispiel Auseinandersetzungen viel öfter ohne aggressives Verhalten geregelt. „Oft kamen die Kinder zu uns, weil sie gemeinsam über einen Streit sprechen wollten“, erzählt die Betreuerin Ulrike Mayer-Kramer. „Auch der Gebrauch von Schimpfworten nahm erkennbar ab.“ Nicht verwunderlich, dass die Erzieherinnen auch nach der Studie an dem „Faustlos“-Prinzip festhalten wollen. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass die Verhaltensänderung häufig nur auf den Kindergarten beschränkt bleibt. Die meisten Eltern verzeichneten bei ihren Schützlingen zu Hause keine auffällige Wesensänderung. Für Egloff hängt das damit zusammen, dass die Kleinen die erlernten Regeln zunächst nur auf den Kindergarten und noch nicht auf die Welt außerhalb beziehen. „Deshalb ist es so wichtig, weiter in diese Richtung zu arbeiten“, so der Experte. „Zukünftig gilt es auch, die Eltern viel intensiver in die Arbeiten einzubeziehen.

  "Faustlos" im Kindergarten

Gewaltvorbeugung bewährt sich schon bei den Kleinsten


MANNHEIM. Friedliche Konfliktlösung soll nach Expertenmeinung so früh wie möglich beginnen. Mit einem speziellen Programm lässt sie sich schon im Kindergarten lernen. Dies zeigt eine Studie im Rhein-Neckar-Raum.

Von Johanna Eberhardt

Ein Jahr lang sind 14 Kindergärten in Mannheim und Heidelberg Studienobjekte für Heidelberger Familienforscher gewesen. In der einen Hälfte der Einrichtungen bauten die Erzieherinnen 28 Lektionen des speziell für Kinder und Jugendliche entwickelte Vorbeugungsprogramm „Faustlos“ in die Arbeit ein, in der Kontrollgruppe der sieben anderen Kindergärten gab es das Angebot nicht. Das Ergebnis war nach Angaben der Wissenschaftler eindeutig: die Kinder, die an dem Programm teilgenommen haben, seien anschließend weniger aggressiv gewesen und hätten mehr sozial-emotionaler Kompetenz gehabt als die Kinder in der Vergleichsgruppe. Bereits nach sechs Monaten seien erste positive Verhaltensänderungen beobachtet worden, erklärten die Verfasser der Studie bei einem Pressegespräch in Mannheim. So hätten die Kinder aus der „Faustlos-Gruppe“ die Gefühle anderer eher erkennen und genauer beschreiben können als die der Vergleichsgruppe. Sie entwickelten Lösungsmöglichkeiten bei zwischenmenschlichen Problemen, sahen eher negative Konsequenzen bei aggressivem Verhalten voraus und konnten sich und andere besser beruhigen. Die Erzieherinnen stellen fest, dass Kinder aus den Gruppen, die an dem Programm teilnahmen, häufiger mit anderen Kindern verhandelten, konstruktiver waren, sich öfter beim Spielen abwechselten und seltener verbal aggressiv wurden.

Die Untersuchung zeige, dass die Fähigkeiten zur Gewaltvorbeugung im Kindergarten durchaus im Lauf eines Jahres erlernbar seinen, erklärte der Leiter des Projekts, Professor Manfred Cierpka, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kooperationsforschung und Familientherapie der Universitätsklinik Heidelberg. Allerdings hätten die Eltern daheim nach nur sechs Monaten Programmdauer noch keine positiven Änderungen im Verhalten ihrer Sprösslinge feststellen können. Dazu bedürfe es offenbar weiterer Übung und einer Einbeziehung der Eltern in das Projekt, meinte Cierpka, der das ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende Übungskonzept für deutsche Verhältnisse weiterentwickelt hat.

  FAUSTLOS: Schlaglicht im grauen Schulalltag

Vier Schulen aus dem Landkreis setzen auf das Präventions-Programm – Soziale Kompetenzen werden gestärkt

Von Michael Witte.

Neureichenau. Aggressionen in der Klasse, Raufereien im Pausenhof, Gewalt auf dem Schulweg: Immer mehr Kinder lösen Konflikte mit der Faust statt mit dem Mund. Aber das soll sich ändern – mit FAUSTLOS, einem präventiven Programm, das dank LBS an vier Grundschulen im Landkreis gestartet werden kann. Denn in Neureichenau wurden jetzt zwölf Lehrerinnen von Dr. Andreas Schick vom Heidelberger Präventionszentrum, das FAUSTLOS entwickelt hat, für das Projekt geschult. „Am besten hat mir gefallen, das man viel lernen kann, dass man mit einer Faust nichts anfangen kann“, zitiert Diplom-Psychologe Dr. Schick aus dem Brief einer Schülerin. Und das zeige ganz klar: Den Kindern mache es Spaß, zu lernen, dass Gefühle zeigen keine Schwäche sei, dass Reden bei Problemen enorm helfen und dass mit Ärger und Wut auch konstruktiv umgegangen werden könne.

Ursprünglich stammt das Konzept aus Amerika: Dort fanden Wissenschaftler schon 1988 heraus, dass Kinder, die mit der Original-Version SECOND STEP („Zweiter Schritt“) unterrichtet wurden, deutlich besser ihre Aggressionen kontrollieren und Probleme untereinander effektiver lösen konnten als Kinder, die nicht an diese Programm teilgenommen hatten. In Deutschland kam die Variante FAUSTLOS erstmals 1996 in die Klassenzimmer und wurde an elf Göttinger Grundschulen und sieben Göttinger Kindergärten erprobt. Das Ergebnis: Schon nach vier Monaten zeigte der Nachwuchs mehr soziale Kompetenz und lehnte zunehmend aggressives Verhalten ab. Das bestätigte auch eine dreijährige Studie an 21 Heidelberger und Mannheimer Grundschulen. Konzipiert und weiterentwickelt hat FAUSTLOS das so genannte Heidelberger Präventionszentrum, das aus Studenten und Mitarbeitern des Universitätsklinikums Heidelberg hervor gegangen ist. Das Zentrum verbreitet exklusiv in Deutschland FAUSTLOS an Schulen und Kindergärten, trainiert Lehrer und Erzieher und schult durch flankierende Maßnahmen (Supervision, Elternseminare) die Beteiligten. Inzwischen arbeiten in der ganzen Republik rund 1000 Schulen und 500 Kindergärten mit dem Programm. Im Landkreis wird es erstmals an der Grundschule Grafenau, der Don-Bosco-Schule Grafenau, der Grundschule Riedlhütte und der Grundschule Neureichenau eingesetzt. Diese vier Schulen hatten sich im Frühjahr bei der LBS, der Bausparkasse der Sparkassen, für eine Patenschaft beworben. Denn im Jahr ihres 75. Geburtstages förder die Bayerische Landesbausparkasse das Projekt mit 500 000 Euro. Und das bedeutet für den Landkreis Freyung-Grafenau zehn Patenschaften in den Jahren 2004 und 2005. In Neureichenau erhielten zwölf Lehrerinnen der vier Schulen ihr Rüstzeug: Den FAUSTLOS-Koffer (Kosten: je 500 Euro) mit den Arbeits-Materialien für die 51 Lektionen und eine ganztägige Schulung durch Dr. Schick. Dabei erläuterte ihnen der Psychologe klipp und klar, was bei FAUSTLOS Sache ist. Das Curriculum sei mehr als Gewaltprävention, da allgemeine Verhaltensfertigkeiten geübt und gelernt würden. Und zwar von allen Schülern einer Klasse – nicht nur von den Störenfrieden und Rowdys.

Der Kompaktkurs für die soziale Kompetenz ist auf drei Jahre angelegt. Er umfasst insgesamt 51 Lektionen, für den Kindergarten 28 – unterteilt in die Katergorien „Empathie“ (Gefühle anderer zu verstehen), „Impulskontrolle“ und „Umgang mit Ärger und Wut“. Eingeleitet werden die Lektionen stets mit einem Bild, das mit den Schülern besprochen wird. Danach folgen Rollenspiele, die ebenfalls gemeinsam analysiert werden. Zentral dabei ist die Frage, wie sich der „Schauspieler“ in seiner Rolle gefühlt habe. Dr. Schick bezeichnete FAUSTLOS denn auch als „Grundausbildung zum Gefühls-Detektiven.“ Bei so viel Lehrstoff über Gefühle wurde einer Lehrerin ganz bange. Denn in Niederbayern seien es die Menschen nicht gewohnt, über ihre Gefühle, ihre Ängste, Sorgen und Freuden in epischer Breite zu sprechen. Deshalb müssten auch die Lehrer neu lernen, sagte die Pädagogin. Dozent Dr. Schick bewertete dies jedoch nicht als Schlag ins Genick. Im Gegenteil: Wenn sie diesen Aspekt schon derart reflektiert habe, sei dies „eine ideale Basis“ für das FAUSTLOS-Programm.

  Bürgerstiftung geht "Faustlos" in die Zukunft

Rund 160 000 Euro Startkapital – Schwerpunkt liegt auf friedlichem Miteinander der Generationen – Stiftung sucht Mitstreiter

Von Maria Theresia Heitlinger

Die Stadt Heilbronn soll sicher beleiben. Die Bürgerstiftung will ihren Teil dazu beiragen. „Faustlos“ heißt das erste von ihr angeschobene Projekt. Es hat sich der Gewaltprävention verschrieben. Die Heilbronner Bürgerstiftung ist eine noch junge Organisation. Seit dem 13. September ist die Einrichtung, der Dietmar Fütterer vorsteht, vom Regierungspräsidium anerkannt. Ziel der Bürgerstiftung ist es, „nicht die kommunalen Aufgaben zu erfüllen, sondern durch zusätzliches Engagegment die Lebensqualität für unsere Bürger zu verbessern“, formuliert der stellvertretende Vorsitzende Otto Egerter. Rund 160 000 Euro hat die Bürgerstiftung in der kurzen zeit ihres Bestehens bereits gesammelt, wobei Heilbronn selbst einen großen Beitrag leistet. Für jeden gestifteten Euro gibt die Stadt einen Euro dazu. Insgesamt 500 000 Euro sind im Etat der Stadt für die Stiftung bereit gestellt.

Fein säuberlich trennt die Bürgerstiftung zwischen Stiftern und Spendern. Stifter ist, wer einen Betrag ab 1000 Euro spendet. Dieses Geld fließt in das Stiftungskapital. Spenden sind auch als kleinere Beträge möglich. Spenden müssen steuerrechtlich binnen eines Jahres ausgegeben sein und dienen zusammen mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital zur Finanzierung beschlossener Projekte. Sie beantragen kann jeder Heilbronner. Die Bürgerstiftung soll eine Institution von Bürgern für Bürger sein. „Wir wollen die Bürger zu eigenem Engagement führen“, betont Vorstandsmitglied Manfred Oexner und bittet um Unterstützung. Oexner: „Wir sind dankbar für die Mitarbeit von jedermann und jeder Frau.“ Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Bereitschaft junger Menschen, Konflikte mit Gewalt auszutragen, sieht der Bürgerstiftung in der Verhütung von Gewalt eine zentrale Aufgabe. Das von ihr geförderte Projekt „Faustlos“ wurde von der Universität Heidelberg entwickelt. Es trainiert allgemeine soziale Verhaltensweisen wie das Einfühlen in Gedanken anderer oder das Vermeiden von Wutanfällen. Faustlos richtet sich an alle Kinder einer Klasse oder Gruppe. Gemeinsam mit dem ebenfalls von der Bürgerstiftung unterstützten Projekt „echt stark“ soll eine kontinuierliche Erziehung zur gewaltfreien Konfliktlösung vom Kindergarten bei zum Jugendalter gewährleistet werden. Die Arbeit wir wissenschaftliche begleitet.

Spenden für die Heilbronner Bürgerstiftung können eingezahlt werden auf das Konto 2008 bei der Kreissparkasse Heilbronn, Bankleitzahl 620 500 00. Weitere Informationen enthält die Internetseite www.heilbronner-buergerstiftung.de. Sie wird zum Wochenende frei geschaltet.

  Auch Friedfertigkeit können Kinder lernen

Delmenhorster Pädagogen tauschten ihre Erfahrungen mit dem „Faustlos“-Projekt aus

Günter Matysiak

Delmenhorst. Frieden ist machbar. Dies große Wort verlor beträchtlich seinen Utopie-Charakter und konnte mit großen Hoffnungen verbunden werden nach einer Veranstaltung der Delmenhorster Universitätsgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Kriminalpräventiven Rat der Stadt Delmenhorst am Montagabend im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK). Man muss das große Wort allerdings etwas kleiner sagen: Friedlichkeit ist lernbar. Kinder können ihr Verhaltensrepertoire beträchtlich erweitern. Wenn der Papa also sagt: „Wenn dich einer schief anguckt, dann haust du dem sofort aufs Maul“, dann besteht die große Chance, dass der Sohn sich eben nicht nach Papas Lebenserfahrungen richtet, sondern nach seinen eigenen. Wenn er etwa gelernt hat, ruhe zu bewahren, wenn er gehänselt wird. Wenn er gelernt hat, sich in seinem solchen Moment seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden. Wenn er dann die Kraft aufbringt, tief durchzuatmen, bis fünf zu zählen, sich selbst in seinen schlechten und aggressiven Gefühlen zu beruhigen und sich zusätzlich bei den für ihn sorgenden Erwachsenen Hilfe zu holen. Wie gesagt, das muss man lernen. Früher lernte man das in der Regel in einem heilen Familienleben. Heute, unter massiv veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, sind dafür Kindergarten und Schule zuständig. Diesen Institutionen steht seit dem Sommer 2001 ein Programm zur Friedenserziehung bei Kindern zur Verfügung. Dieser „Faustlos“-Koffer basiert auf von Heidelberger Wissenschaftlern entwickelten Methoden, die sich wiederum auf US-amerikanische Erfahrungen stützen.

Das HWK kam auf Grund seiner eigenen Gewaltforschungen in Kontakt zum Faustlos-Programm und begleitet seit drei Jahren unterstützend die „Faustlos“-Arbeit des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Delmenhorst. Uwe Opolka nannte das in seiner Begrüßung auch einen Weg aus dem „Elfenbeinturm“ der theoretischen Wissenschaften. Bevor Angelika van Ohlen vom KPR das Faustlos-Programm erläuterte und betroffene Vertreter von Kindergärten und Schulen über ihre Erfahrungen sprachen, gab es einleitende Worte von Dr. Christian Glaß. Er stellte fest, das von überbordender Zunahme von Gewalt an Schulen nicht die Rede sein könne. Menschliches Zusammenleben sei grundsätzlich konfliktträchtig, Schule habe auf Gewalt parallel zum Elternhaus zu reagieren, und zwar mit einem guten Schulklima, mit Zuwendung, Unterstützung und gegenseitigem Respekt. Das dann vorgestellte Faustlos-Projekt ist in diesem Rahmen ein überaus handfestes Lernprogramm, das Teil des regulären Unterrichts wird. In Delmenhorst sind es vierzehn Einrichtungen, die mit dem Programm arbeiten, dessen Anwendung nach Anmeldung verbindlich ist. Die notwendige Fortbildungsarbeit der bisher 95 Pädagogen wäre laut Angelika van Ohlen ohne die beträchtliche Hilfe von Sponsoren unmöglich gewesen und wird auch zukünftig nur mit Sponsoren funktionieren.

Eine erste Folgenkontrolle bestätigt eine große Akzeptanz des Projekts. Die zeigte sich auch in den Erfahrungsberichten der mit „Faustlos“ vertrauten Pädagogen. Grundsätzlich als notwendig erachtete man, dass eine Einrichtung geschlossen hinter der Arbeit mit dem Programm stehe. Es gelte, allen Kindern einer Einrichtung Verhaltenssicherheit in den Grenzen zu geben, die „Faustlos“ im sozialen Umgang miteinander steckt. Dieser soziale Umgang ist übrigens hier ganz wesentlich geprägt durch das Lernen sich in andere hineinzufühlen. Kritik am Programm bezog sich auf einiges, was sich in der Praxis als Problem erwiesen hatte, wenn also etwa die Dreijährigen mit rational-verbalen Methoden überfordert wären. Die bildhaften Methoden seien da weitaus sinnvoller. Ein grundlegend-kritischer Wunsch kam vom Leiter einer Grundschule. Er wünschte sich von Seiten der Kulturbehörden die Schaffung von Voraussetzungen, um ein Programm wie „Faustlos“ erfolgreich umsetzen zu können. Er wünscht dafür Zeit für die Kinder, was angesichts der derzeitigen Verwahrlosung (man denke nur an die extrem hohen Klassenfrequenzen) unseres Schulsystems in der Tat nur als utopischer Wunsch gelten kann. Hoffnungsvolles zum Schluss: Das, was Kinder mit „Faustlos“ lernen, tragen sie auch nach außen in Gruppen, die zuschlagen, spucken, treten: Und so steckt in ihnen die Fähigkeit, zum friedlichen Vorbild zu werden.

  Ein Stück weit Frieden im Alltagsstress

Begeistert vom Projekt „Faustlos“

Bayreuth. Von Gabi Schnetter. Regeln lernen, an denen man sich orientieren kann, das ist das eine. Über Gefühle reden, und sich damit auseinander zu setzen das andere. Und dann Problemlösungen finden. Im Kindergarten Löwenzahn an der Dammallee gelingt dies seit geraumer Zeit besser als anderswo. Warum? Die Erzieherinnen arbeiten dort seit Januar mit dem Projekt „Faustlos“ und sind begeistert. Ähnliche Erfahrungen gibt es in der Saaser Einrichtung.

Kinder von heute brauchen Orientierung und Regeln mehr denn je in unserer von Stress und Hektik geprägten Welt. Kindergartenleiterin Uschi Emtmann und Erzieherin Olga Busse waren bereits kurz nach der Schulung felsenfest davon überzeugt: „Das ist das Richtige für unsere Kinder.“ Kinder, die immer mehr Defizite im sozialen Miteinander zeigen, die lieber zuschlagen statt reden. Emtmann: „Wir haben festgestellt, dass die Kinder von Jahr zu Jahr immer verhaltensauffälliger und förderbedürftiger werden.“ Als familienergänzende Einrichtung arbeitete der Kindergarten Löwenzahn von Anfang an eng mit den Eltern zusammen. Es gab Elternbriefe, Elternabende und viele Gespräche.


Der Willi und der Schneck

Das Programm wird aufgeteilt in drei Teilbereiche: Zum einen geht es um Empathieförderung (Erkennen von Gefühlen), Impulskontrolle und als Letztes um den Umgang mit Ärger und Wut. Zwei Handpuppen helfen den Kindern auf dem Weg zu einem offenen und ehrlicheren Umgang miteinander: Der Wilde Willi und der Ruhige Schneck. „Miteinander leben – voneinander lernen“, betitelt sich das Projekt im Kindergarten Saas. Dort musste man gewaltig kämpfen, um ebenfalls in den Genuss des Projekts zu kommen. Denn anders als an der Dammallee standen keine staatlichen Mittel mehr zur Verfügung. Doch der Leidensdruck war gerade hier groß. Aufgrund der großen Altersunterschiede in den Gruppen „sind wir Erzieher teilweise an unsere Grenzen gestoßen“. Kindergartenleiterin Nina Hauenstein: „Normale Regeln wurden teilweise gar nicht mehr wahrgenommen.“


Lachen und Wut

Vom Projekt „Faustlos“ versprach sie sich Abhilfe. Doch von Seiten des Sozialministeriums wurden keine neuen Projekte mehr gefördert. Hauenstein: „Wir wollten uns aber nicht auf die lange Warteliste setzen lassen.“ Und so machte sich die engagierte Saaserin auf die Suche nach Sponsoren. Und war erfolgreich. Die Firmen Wedlich, Wild, Baumann-Transporte und Trans-Log finanzierten gemeinsam die Schulung des kompletten Kindergartenteams und einiger Eltern wie Bettina Boxberger, die heute unterstützend wirken kann. Obwohl das Projekt erst seit kurzer Zeit läuft, ist man auch hier voll des Lobes. Im Sportraum wurden Straßen aufgebaut, die Straße des Lachens, aber auch die Straße der Wut. Hauenstein: „Es ist wichtig, bei den Kindern auch Gefühle wie Wut und Jähzorn zuzulassen. Erst dann können sie lernen, damit umzugehen.“ Simone Wedlich und Franz-Peter Wild sind Sponsoren einerseits, aber auch selbst Eltern von Kindergartenkindern. Was sie überzeugt hat, ist die Tatsache, dass jedes Kind von dem Projekt profitiert, auch die, die gerne in eine Ecke gedrängt werden. Olga Busse: „Wenn Kinder zuschlagen, dann ist das oft, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Das ist oft auch ein Hilferuf.“ Mit der ganzheitlichen Förderung kann ein Teufelskreis durchbrochen werden, davon sind die Erzieherinnen überzeugt. Das Projekt sollte allerdings bereits im Vorschulalter angeboten werden und nicht erst in der Grundschule. „Viel Potenzial an Gewalt, das sich bis zum Schulalter schon festigt, könnte reduziert und abgebaut werden und Platz für die Lernfähigkeit gesteigert werden“, argumentieren Emtmann und Busse. Diese Überzeugung teilt auch Alexandra Röthlingshöfer, bei der Diakonie zuständig für die Kindertagesstätten. „Kinder akzeptieren Grenzziehungen heute nicht mehr ohne weiteres.“ Sie sähe das Projekt „Faustlos“ gern in den 19 Einrichtungen, die sie betreut. Und Olga Busse geht sogar noch einen Schritt weiter: „Faustlos bietet einen Chance für ein Stück mehr Frieden auf der Welt.“


Paten werden dringend gesucht
Infomappe soll bei der Suche nach Sponsoren helfen – Der Weg zur Nachhaltigkeit

Die Stiftung Bündnis gegen Gewalt unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Edmund Stoiber hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Projekt „Faustlos“ in möglichst viele Kindergärten und Grundschulen zu bringen.

Es gab und gibt Sponsoren, die für die Finanzierung sorgen, wie die bayerische Landesbausparkasse, die im Landkreis Bayreuth vor allem in den Grundschulen dafür sorgte, dass Gewaltprävention betrieben werde kann. Groß ist auch das Interesse in den Kindergärten. Aufgrund fehlender staatlicher Fördermittel bietet das Bündnis gegen Gewalt jetzt das so genannte Patenmodell an. Barbara Ammer von der Geschäftsführung der Stiftung: „Wir wollen möglichst viele motivieren, den Gedanken weiterzutragen.“ Auf Anfrage versendet die Stiftung die so genannte Patenmappe. Sie enthält Informationen über das Projekt „Faustlos“. Die Basisausstattung – der Materialkoffer und Fortbildung zweier Erzieher – kostet 450 Euro. Mit Hilfe der Mappe können sich Interessenten nun auf die Suche nach eigenen Sponsoren machen. Ammer sieht darin auch einen großen Vorteil: „Auf diese Weise erreichen wir Nachhaltigkeit. Auch wenn eine geschulte Erzieherin später ausscheiden sollte, wird das Projekt weitergetragen, denn es gibt dann ja eine Patenschaft dafür.“ Viele gute Ideen habe es in der Zwischenzeit gegeben, um „Faustlos“ zu finanzieren. Ammer: „Da wurde der Erlös von Sportfesten oder Flohmärkten dafür verwendet.“ Sollte sich im Einzelfall kein Sponsor finden, können sich Interessenten jederzeit an die Stiftung Bündnis gegen Gewalt wenden. Ammer: „Wir prüfen dann, ob ein Zuschuss ausgereicht werden kann.“

  "Faustlos": Wie Kinder ihre Krisen ohne Schläge lösen

Netphen. (wp) Der wilde Willy und der ruhige Schneck spielen die Hauptrollen. Willy schlägt gerne zu, Schneck redet lieber, wenn es Ärger gibt. Die beiden Handpuppen gehören zum Projekt "Faustlos" im AWO-Kindergarten Heckersberg. Dabei lernen Kinder, Streit und Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Neben dem Kindergarten Heckersberg machen auch der Kindergarten Dahlbruch und die Grundschulen Dreis-Tiefenbach und Müsen mit. Denn wichtig an dem Projekt ist, dass es nicht nur an einer Stelle wirkt, sondern über Grenzen, zum Beispiel die des Kindergartens hinaus - und natürlich auch in Schulen. "Deshalb haben wir auch eine gemeinsame Fortbildung organisiert," erklärt Manfred Heiler, Leiter des regionalen Sozialdienstes für Netphen und Hilchenbach. Der Sozialpädagoge hat das Seminar zu "Faustlos" geleitet, an dem insgesamt 16 Fachkräfte der genannten Kindergärten und Schulen teilgenommen haben: "Entscheidend ist, zu erarbeiten, wie Kinder ihre persönlichen oder gemeinsamen Krisen ohne Brutalität in den Griff bekommen können", bringt Heiler das Ziel des Projekts auf den Punkt. Einen aktuellen Anlass für "Faustlos" gibt es nicht. Vielmehr sei es die Reaktion auf eine eindeutige Tendenz, so Dorothea Happert, Leiterin des AWO-Kindergartens Heckersberg: "Viele Kinder sind nicht in der Lage, die richtigen Worte zu finden, um ein Problem zu lösen", erklärt sie. Die Ursachen seien vielfältig. Fest stehe, bilanziert sie nach 26 Berufsjahren, dass sich die Art und Weise der Auseinandersetzung bei Kindern deutlich gewandelt hat: "Sie sind brutaler geworden. Die Regeln der Fairness haben sich leider verändert."

Den Ursachen stehen die Pädagogen oft machtlos gegenüber: "Über den Medienkonsum der Kinder zum Beispiel können wir nicht entscheiden", sagt Dorothea Happel. Deshalb greift "Faustlos" an anderer Stelle, und zwar mitten in der Praxis: "Wir haben einen ganzen Koffer mit didaktischem Material bekommen", erklärt die Pädagogin. Und dazu gehören zum Beispiel die beiden Handpuppen Willy und Schneck, der Wilde und der Ruhige. Aber auch Fotos, auf denen verschiedene Situationen dargestellt sind. Daran sollen die Kinder z.B. lernen, die Facetten von Gefühlen zu benennen: "Schließlich kann man nicht nur wütend sein, sondern auch enttäuscht oder verletzt", so die Leiterin der Kindergartens. Und Manfred Heiler ergänzt: "Auch die Kinder selbst schlüpfen in verschiedenen Rollen in erdachte Geschichten, können ihre Meinung sagen und ausprobieren." Mit einfachen Situationen geht´s los. Dann werden sie immer komplexer.

Dorothea Happel ist überzeugt von "Faustlos": "Wir haben die Methode erst jetzt kennengelernt und brauchen etwas Zeit, sie umzusetzen", sagt sie. "Aber ab Januar wollen wir beginnen." Eine zeitliche Begrenzung gäbe es dabei natürlich nicht. "Denn ich betrachte "Faustlos" nicht als kurzfristige Methode", sagt sie. "Für mich wird das eine generelle pädagogische Marschrichtung sein."

Von Kristina Hußmann

  Non scholae ...

So lobenswert das Projekt „Faustlos“, so hart die Arbeit für die Lehrer/-innen die es umsetzen wollen. Nur mit zusätzlichem Engagement werden sie viel Neues lernen, was Studium und Praxis ihnen bislang nicht vermittelt haben: Erkenntnisse über Verhaltensweisen von Kindern und über ihre eigenen. In einer Fortbildung lernen sie, mit dem Inhalt des geheimnisvollen Koffers mit der Aufschrift „Faustlos“ zu arbeiten. Er liefert Beispiele, Bilder, Lerneinheiten. Worum es letztlich geht, ist aber mehr: nämlich um eine Haltung dem Leben und dem Mitmenschen gegenüber, um Respekt vor dem Anderen, um das Zügeln von Aggressionen und impulsivem Verhalten durch eigenes, vorheriges Nachdenken. Dieses „Curriculum zur Prävention von Gewalt in den Klassen 1 bis 3“ will soziale Verhaltensfertigkeiten vermitteln, gibt die Chance, sie zu lernen und zu üben. „Faustlos“ richtet sich an alle Kinder einer Klasse (bzw. Gruppe), so dass potenzielle Täter und potenzielle Opfer profitieren und niemand stigmatisiert wird. Gut daran ist, dass es frühzeitig ansetzt, bevor das Kind buchstäblich in den Brunnen fallen könnte, in einem Alter, in dem man Kinder noch nachhaltig prägen kann, und das über einen Zeitraum von drei Jahren. Es ist also mehr als der „Tropfen auf den heißen Stein“, sondern vielmehr der Tropfen, der den – noch nicht so heißen – Stein höhlt. Ärger wird es auch weiterhin geben, Aber wenn Kids darüber sprechen lernen und überlegen, statt zu prügeln, wäre „Faustlos“ ein echter Erfolg. Dann lernten die Kids tatsächlich nicht für die Schule, sondern fürs Leben, „non scolae sed vitae discimus“ eben. Dazu aber bedarf es auch echten Miteinanders zwischen Elternhaus, Lehrerschaft und Kindern. Und da erst beginnt der wahre Zeitaufwand, und zwar nicht nur für die Lehrer.

  Als ob Gewalt das letzte Mittel wäre

Für Lehrer und Kinder: Sparkasse und LBS stoßen Projekt „Faustlos“ im Landkreis an

Bad Kissingen (abra). Die heimlichen Erzieher der Kinder von heute bereiten Eltern und Schulen, vor allem aber den Kinder selbst Riesenprobleme. Gewaltverherrlichung in Filmen und Computerspielen, Schlägereien auf dem Schulweg, Gewalt und Erpressungen in der Schule – all das sind auch in Stadt und Landkreis Bad Kissingen längst keine Einzeltatbestände mehr. Jetzt sollen Kids Sozialverhalten trainieren. Und damit die Lehrer wissen, wie sie das anstellen sollen, gibt es jetzt das Projekt „Faustlos“ an vier Schulen im Raum Bad Kissingen.

Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens hat die Bayerische Landesbausparkasse (LBS) eine soziale Initiative namens „Faustlos“ gestartet, die sich besonders der Gewaltprävention in Grundschulen und Kindergärten widmet. Mit 500 000 Euro übernimmt sie im Rahmen dieses Projektes der Stiftung „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt“ 1000 Patenschaften in Bayern, 114 davon in Unterfranken, zehn im Einzugsgebiet der Sparkasse Bad Kissingen. Lehrkräfte aus vier Schulen absolvieren jetzt in der Alois-Lang-Schule ihre „Faustlos“-Fortbildung durch das Heidelberger Präventionszentrum und bekommen ihre Projektkoffer mit Unterrichtsmaterial und können es schon heuer in ihren Klassen einsetzen. Die Sparkasse hatte im Frühjahr zusammen mit dem Staatlichen Schulamt die Grundschulen über „Faustlos“ informiert. Vier Schulen hatten sich für 2004 beworben und wurden zu Partnern des Pilotprojekts. Je zwei Lehrkräfte der Alois-Lang-Schule (Hammelburg), Anton-Kliegl-Schule (Bad Kissingen) und Einhard-Volksschule Euerdorf bekommen die Fortbildung in der gastgebenden Alois-Lang-Schule Bad Kissingen. Der Presse stellten LBS-Regionaldirektor Paul Rausch, Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Rolf Walter, Schulamtsdirektor Josef Hammerl und Irmengard van de Weyer, Koordinatorin des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes im Landkreis, die „Faustlos“-Koffer samt Unterrichtsmaterial vor.

Auch die Regierung von Unterfranken unterstützt die Kooperation zwischen Grund- und Förderschulen mit Fördermitteln, so dass acht weitere Lehrkräfte die Fortbildung durchlaufen können. Die sechs Patenschaften für 2005 sind noch offen. Antragsformulare gibt es unter frank.erhard@spk-kg.de. Rausch dankte den Schulen für ihr Engagement, sich dem gesellschaftlichen Problem von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen zu stellen. Sie könnten ohne zusätzlichen Aufwand „Faustlos“ in bestehende Lehrpläne integrieren. Viel Engagement gehöre dazu, es werde aber auch Freude bei der Umsetzung von „Faustlos“ bereiten. „Faustlos“ für Grundschulen läuft drei Jahre und soll in 51 Lektionen impulsives und aggressives Verhalten von Kinder vermindern und ihre soziale Kompetenz erhöhen. Die „Faustlos“-Patenschaften der LBS unterstützen die Schulen in ihrem Bemühen, soziales Miteinander ihrer Schüler zu fördern und ergänzen zugleich die vielfältigen Initiativen mancher Schulen im Landkreis Bad Kissingen zur Gewaltprävention. In den USA und Skandinavien wird das Programm seit zehn Jahren erfolgreich eingesetzt und in Deutschland seit zwei Jahren verbreitet, unterstützt vom „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt.“ Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hatte der LBS „Faustlos“ als Jubiläumsinitiative empfohlen. Schulamtsdirektor Hammerl dankte LBS und Sparkasse für die Unterstützung und gab sich gewiss, dass das wissenschaftlich evaluierte Programm „Faustlos“ angesichts mehr werdender Gewalttaten besondere Bedeutung gewinne, um soziales Verhalten von Kindern zu fördern und sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Es setzt frühzeitig an. Die dreijährige Dauer bürge für Nachhaltigkeit wie nur wenige andere Projekte. Nicht, dass an den Schulen Gewalt Tür und Tor offen steht und das Programm als Feuerwehr eingreifen muss, stellte Hammerl klar. „Erfurt“ und ähnliche Katastrophen gab es hier nicht. Aber die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt wächst. Und genau hier setzt das Programm an. Das Curriculum (Lehrplan) soll helfen, impulsives und aggressives Verhalten von Kindern zu vermindern und ihre soziale Kompetenz zu erhöhen. Es wendet sich an die ganze Persönlichkeit und an alle Kinder, um si aufzurüsten, damit sie Konfliktsituationen, die ja unvermeidbar sind, angemessen bewältigen können. Große Anerkennung verdient nach Überzeugung von Hammerl nicht zuletzt die Koordinatorin Irmengard van de Weyer. Sie setzt das Programm engagiert und mit großer Überzeugungskraft vor Ort um. Und sie will Lehrer/-innen begeistern für die neue Art zu Arbeiten: Man sitzt im Kreis, die Kinder debattieren untereinander, interpretieren – im bild vorgestellte – Situationen, arrangieren sich, während sich die Lehrer zurücknehmen müssen. Und die Koordinatorin weiß: „Das ist nicht leicht für Lehrer.“ Umso wertvoller war wohl das Kompliment des Schulamtsdirektors an die Schulen und Lehrkräfte, die sich als Pilotprojekt zur Verfügung stellen. Für die Schüler werde es ein persönlicher Gewinn sein, wie für alle anderen Beteiligten auch.

  Ein Koffer gegen die geballte Faust

Landesbausparkasse unterstützt das Projekt Faustlos in vier Schulen aus dem Landkreis


Von unserer Mitarbeiterin Anja Vornberger-Vorndran

Bad Kissingen – In erster Linie hat ein Geburtstag wenig mit Gewalt zu tun. Es sei denn, der Jubilar verzichtet auf Geschenke zugunsten einer sozialen Initiative. Faustlos heißt das Projekt mit dem die Bayerische Landesbausparkasse LBS einerseits ihr 75-jähriges Bestehen feiert und andererseits Grundschullehrern im Landkreis einen Ratgeber zur Gewaltprävention in die Hände legt. Es sei der richtige Weg, das Geld einem sozialen Zweck zukommen zu lassen, sagte Rolf Walter Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Inder Sparkassen-Hauptstelle in Bad Kissingen überreichte Unterfrankens LBS-Regionaldirektor Paul Rausch je einen Faustlos-Koffer für die Alois-Lang-Schulen in Bad Kissingen und Hammelburg, die Anton-Kliegl-Volksschule und die Einhard-Volksschule in Euerdorf mit Unterrichtsmaterialien für gewaltfreie Lösungen von Problemen im (Kinder-)Alltag.

Umgang mit Ärger und Wut
Rollenspiele und die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt sollen die Buben und Mädchen sensibel machen für eigene Reaktionen. Empathie (Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen), Impulskontrolle und der Umgang mit Ärger und Wut sind die Oberbegriffe für die einzelnen Abschnitte. Ein Ordner enthält Fotos von Kindern in verschiedenen Momenten, Freude, Enttäuschung, Zorn und andere Gesichtsausdrücke sowie Körperhaltungen. Diese sollen die Schüler deuten und damit umgehen lernen. Banale Situationen, so scheint es, tauchen in der Lektüre auf: Max schubst Lisa vom Waschbecken weg und diese ist sauer. Wie ein Kind auf solche Situationen reagiert, richtet sich meistens nach den Verhaltensweisen, die es in seiner Umwelt – hauptsächlich im Elternhaus – erlebt. Doch auch Gewalt im Fernsehen und bei Computerspielen erziehen mit. „Die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt wird niederschwelliger“, beobachtet Schulamtsdirektor Josef Hammerl. Mit Faustlos werde impulsives und aggressives Verhaltens vermindert und gleichzeitig die soziale Kompetenz erhöht. „Und“, würdigte er das Projekt, „es beginnt in einem Alter, in dem man noch nachhaltig Spuren prägen kann.“ Faustlos, klärte Rausch auf, gebe es in einer Version mit Handpuppen auch für Kindergärten. Gewaltprävention sei eine Investition in die Zukunft, befand Irmengard van de Weyer, die Koordinatin des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes. Sie warnte davor zu glauben, nur finanziell schwache Eltern würden ihre Kinder vernachlässigen. „Sozial verwahrloste Kinder findet man auch bei Eltern, die viel Geld, aber keine Zeit haben.“

51 Lektionen in drei Schuljahren
Zeit nehmen sich je zwei Lehrer der genannten Schulen, um eine Faustlos-Fortbildung durch das Heidelberger Präventionszentrum zu absolvieren. Während 51 Lektionen die auf drei Schuljahre verteilt sind und in den Regelunterricht integriert werden können, soll das Programm stattfinden. Die LBS übernimmt im Rahmen des Projektes Faustlos der Stiftung „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt“ 1000 Patenschaften in Bayern. Statt eine große Geburtstagsparty zu veranstalten, stelle die Bausparkasse 500 000 Euro bereit. Als Schlüssel für die flächendeckende Verteilung der Patenschaften diente die Anzahl der Grundschulen in den Landkreisen. 114 sind es in Unterfranken, zehn im Geschäftsgebiet der Sparkasse Bad Kissingen, verteilt auf die Jahre 2004 und 2005. Die sechs Patenschaften für 2005 sind noch offen.

Antragsformulare können angefordert werden bei der Sparkasse Bad Kissingen, frank.erhard@spk-kg.de


Druckansicht

Die Presse über Faustlos

In Klammern die Anzahl der Artikel.