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Die Presse über die HPZ-Programme


Worte statt Fäuste einsetzen


Klaviatur des gewaltfreien Umgangs


Faustlos-Programm setzt auf Vorbeugung


Kindergärten gemeinsam gegen Gewalt

Im Einzelnen:

  Worte statt Fäuste einsetzen

Schmiden. In der Albert-Schweitzer-Schule hat Trainerin Gabriele Ullrich das Programm "Faustlos" vorgestellt. Von Susanne Heß
Fast bis auf den letzten Platz war die Aula der Albert-Schweitzer-Schule gefüllt. Anlass für das zahlreiche Erscheinen der Eltern war ein Vortrag von Gabriele Ullrich, Konflikt-Trainerin und Lehrbeauftragte der Uni München zum Thema Gewaltprävention.
Sie stellte das Programm "Faustlos" vor: Ziel des Programms des Heidelberger Präventions-Zentrums (HPZ) ist die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen wie Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut, um Gewalt vorzubeugen. "Konflikte sind etwas ganz normales im Leben", sagte Gabriele Ullrich. Das müssen Kinder möglichst früh, idealerweise ab fünf Jahren, lernen. Einer der Lehrpläne setzt daher im Kindergarten an, natürlich in einem geringeren Umfang als die Lektionen für die Grundschüler.
Kinder lernen durch Imitation, deswegen ist es wichtig, dass nicht nur die Lehrer, die vorab an einer entsprechenden Fortbildung durch das HPZ teilnehmen werden, das richtige Verhalten vorleben, sondern vor allem die Eltern zuhause. " Sie sind das Modell für ihre Kinder", sagte Gabriele Ullrich. Nur mit der Unterstützung der Eltern kann das Modelllernen funktionieren und bei den Kindern gefestigt werden.
Zur Veranschaulichung ein Beispiel für eine Unterrichtseinheit: Den Kindern wird eine Situation gezeigt, etwa mit einem Film, in der ein anderes Kind gehänselt wird. Anschließend wird das Gesehene mit Unterstützung der Lehrfachkraft analysiert, und man entwickelt gemeinsam Strategien zu einer gewaltfreien Problembewältigung. Das neu Erlernte wird von den Kindern im Rollenspiel noch einmal aufgegriffen, um es zu verfestigen. Denn "es geht nicht von heute auf morgen", sagt Gabriele Ullrich.
Für drei Jahre ist das "Faustlos"-Programm angesetzt, das im Herbst in der Albert-Schweitzer-Schule starten wird. Alle Klassen von eins bis vier werden mit den gleichen Lektionen beginnen und darauf aufbauen. "Faustlos" ist ein Unterrichtsprogramm für ausnahmslos alle Kinder, das betonte Gabriele Ullrich mehrfach. Nicht nur die auffälligen, aggressiven, sondern besonders auch die schüchternen Kinder sollen davon profitieren.
"Faustlos" basiert auf einem amerikanischen Erfolgsmodell namens "Second Step", das vom "Committee for Children in Seattle" entwickelt wurde. In dem Universitätsklinikum Heidelberg wurden die Originalmaterialien unter der Leitung von Professor Manfred Cierpka übersetzt und auf hiesige Verhältnisse angepasst. Mittlerweile ist "Faustlos" an über 9000 Grundschulen und Kindergärten, auch in Österreich, Luxemburg und der Schweiz, zum festen Lernbestandteil geworden.

  Klaviatur des gewaltfreien Umgangs

LEUTE IN DER STADT: 37 Freiburger Kindereinrichtungen üben mit dem Programm des Heidelberger Psychologen Andreas Schick.

Dass Dominik Brunner heute noch am Leben wäre, hätten die beiden Münchner S-Bahn-Schläger, die ihn zu Tode prügelten, am Programm "Faustlos" teilgenommen, wagt Andreas Schick nicht zu behaupten. Sicher ist für den Leiter des Heidelberger Präventionszentrums aber: Gewaltprävention wirkt.
Er muss es ja wissen. Nicht nur, weil er als Taxifahrer während seines Studiums in Trier selber immer wieder mit aggressiven Kunden zu tun hatte. Für den gelernten Paar- und Familientherapeuten ist die Gewaltprävention seit 1998 quasi zum Lebensinhalt geworden.

Das in den USA erfolgreiche Programm "Faustlos" hat der Psychologe an deutsche Verhältnisse angepasst und in unzähligen Vortragsreisen bekannt gemacht. In mehr als 10 000 Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird damit gearbeitet. Seit 2006 auf Initiative und mit Förderung der Freiburger Bürgerstiftung auch in 18 Kitas, elf Horten und acht Grundschulen in Freiburg. Nicht nur unabhängige Forschergruppen, von denen "Faustlos" bewertet wurde, kommen, wie Andreas Schick es in schönstem Psychologendeutsch formuliert, zum Ergebnis, dass "es aggressives Verhalten deutlich reduziert, prosoziales Verhalten dagegen zunimmt". Auch begeisterte Briefe von Kindern sprechen für sich: "Früher habe ich mich mit Hubert immer geprügelt. Jetzt ist er mein Freund." Manche Kinderäußerung könnte vom Dalai Lama stammen: "Dank Faustlos habe ich verstanden, dass ich nur mit einer offenen Hand, nicht aber mit meiner Faust weiterkomme."

Zwei Handpuppen, "der wilde Willi", ein Hund, und "der ruhige Schneck" machen vor, wie es gehen kann. Diskussionen über Bilder mit typischen Konfliktsituationen unter Kindern und Jugendlichen oder Rollenspiele mögen dazu beitragen, dass es irgendwann nicht mehr in eine wilde Prügelei ausartet, wenn der Banknachbar beim Basteln seinem Nebenmann den Kleber wegnimmt. "Faustlos", sagt Schick, "ist Beziehungsarbeit". Und die funktioniere nur langfristig und nachhaltig. Mal eben auf die Schnelle einen pädagogischen Tag mit dem Thema Gewaltprävention zu bestreiten, könne nicht genügen. Aber auch die 28 Kindergarten- oder 51 Grundschullektionen des Programms innerhalb von einem oder drei Jahren abzuarbeiten, sei nicht von Erfolg gekrönt, wenn nicht immer wieder die Rückkopplung zum Alltag erfolge. "Faustlos ist immer und überall anwendbar", so der Fachmann. "Die Kinder müssen auf der Klaviatur des gewaltfreien Umgangs spielen lernen." Dazu gehörten Mut, Kreativität und Spaß. "Aus einem veränderten Verhalten wird eine Haltung." Die hat der 45-jährige Vater auch selbst verinnerlicht, und die beiden Söhne haben sie zu spüren bekommen. "Sie haben eine ganz spezielle Schule durchlaufen. Die beruflichen Inhalte sind ungefiltert in die Erziehung eingeflossen." "Faustlos"-Kinder haben gelernt, mit anderen zu fühlen und nicht so schnell auszuflippen, wenn sie mal die Wut packt.

Die Freiburger Bürgerstiftung übernimmt die Kosten von bis zu 600 Euro für einen Materialienkoffer und beteiligt sich mit einem Stipendium an der eintägigen Weiterbildung für je zwei Mitarbeiterinnen pro Einrichtung. Die nächsten Fortbildungen finden im Oktober und November dieses Jahres in Freiburg statt. Anmeldeschluss für die Stipendienvergabe ist der 1. Juli 2011.

Weitere Informationen unter http://www.freiburger-buergerstiftung.de

  Faustlos-Programm setzt auf Vorbeugung

21 Erzieherinnen aus dem Landkreis treffen sich – es geht um Gewaltprävention

von Anita Metzler-Mikuteit

BAD SAULGAU – 21 Erzieherinnen aus dem Landkreis Sigmaringen sind in das katholische Gemeindehaus Bad Saulgau gekommen, um die Inhalte des Faustlos-Gewaltpräventionsprogramms kennen zu lernen und diese in einem nächsten Schritt in den Einrichtungen umzusetzen. „Von 102 Kindergärten im Kreis haben bereits 75 an einer Faustlos-Schulung teilgenommen“, informiert Dr. Roland Rahm zu Beginn die Anwesenden. Der Chefartz der Sinova-Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Aulendorf war von Beginn an maßgeblich daran beteiligt, dass das vom Heidelberger Präventionszentrum erarbeitete Gewaltpräventionsprogramm im Kreis Sigmaringen binnen kurzer Zeit an Kindergärten wie auch einigen Grundschulen Eingang gefunden hat. 70.000 Euro sind seither in den Landkreis geflossen – mit einem Finanzierungshintergrund, der Sinn macht: Strafgelder von Gewalttätern fließen direkt in die Gewaltprävention.

Programm in die Fläche bringen
In seiner täglichen Arbeit wird Dr. Roland Rahm vielfach mit möglichen Spätfolgen von Gewalterfahrung konfrontiert. Für ihn mit ein Grund, sich in der Prävention zu engagieren. „Langfristig wirkende Gewaltprävention ist ein nach wie vor topaktuelles Thema und sollte bereits im Kindergarten beginnen“, weiß auch Martin Klawitter, Leiter des Sachbereichs Prävention in Sigmaringen. Die Resonanz zeige deutlich, dass sich die bisherigen Anstrenungen „durchaus gelohnt haben“. Der Kriminalbeamte ist neben Renate Fischer-Kuhn vom Landratsamt Sigmaringen, Dr. Roland Rahm, Walter Bayer, Leiter der Grundschule Wald, sowie dem Leiter der Polizeidirektion Sigmaringen, Karl-Heinz Reiter, Mitglied in der „Projektgruppe Faustlos“. Deren Ziel ist es, Grundschulen und Kindergärten möglichst flächendeckend mit dem Programm auszustatten, bei dem es im Kern darum geht, „Kinder stark zu machen, ohne dass sie ihre Fäuste dazu brauchen.“

Einfühlungsvermögen wenig ausgeprägt
„Wenn heute das Opfer am Boden liegt, wird weiter gemacht, das war früher nicht so“, sagt Seminarleiterin Andrea Stephan und benennt damit das vielfach zu beobachtende wenig ausgeprägte Empathievermögen – nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei den Erwachsenen. Doch zur Förderung und Stabilisierung eines mitfühlenden Sozialverhaltens bräuchten gerade Kinder eine entsprechend Anleitung. Die Diplom-Pädagogin ist überzeugt, dass die Gesellschaft nicht an einem Wertemangel leidet, sondern an einem „Werteverlust“. „Kinder müssen ihren eigenen Gefühlen trauen können“, benennt sie ein wesentliches Element in der Gewaltprävention. Deshalb würde sich ein umfassender Teil des Faustlos-Curriculums für Kindergärten diesem Thema widmen. Auch ein brüchiges Selbstwertgefühl könne Auslöser für ein unangemessenes Sozialverhalten sein. Faustlos setze auf „Vorbeutung statt Reparatur“ und sei „mehr als Gewaltprävention“, da allgemeine soziale Verhaltensfertigkeiten gelernt und geübt werden, die etwa auch bei der Prävention von Drogenmissbrauch und sexuellem Missbrauch zum Tragen kämen. Der Faustlos-Materialkoffer ist neben Handlungsanleitungen zu den Themenbereichen „Empathieförderung“, „Impulskontrolle“ und „Umgang mit Ärger und Wut“ bestückt mit zwei Handpuppen: Der „ruhige Schneck“ und der „wilde Willi“ sind „tragende Figuren“, wenn es etwa in den Rollenspielen darum geht, spielerisch und in kleinen Schritten soziale und emotionale Kompetenzen zu erlernen. „Mit dem Programm lässt sich wirklich was bewirken, ganz besonders bei den Größeren“, darin sind sich auch Petra Neumann und Lisa Walter vom Kindergarten St. Josef in Bad Saulgau einig. Beide finden es richtig gut, dass auf diese Weise bereits im Kindergarten auf diese Themen eingegangen wird. In ihrer Einrichtung haben inzwischen alle Mitarbeiterinnen an einer Faustlos-Schulung teilgenommen.

  Kindergärten gemeinsam gegen Gewalt

Senden „Das ist beispielhaft, dass alle sieben Sendener Kindergärten vereinbart haben, die gewaltpräventive Arbeit zu einem ihrer Schwerpunkte zu machen, gemeinsam eine Fortbildung für das Erziehungsfachpersonal zu organisieren, um dann das Erlernte im Erziehungsalltag umzusetzen“, so Klaus-Jürgen Preuschoff, der Moderator des laufenden Projekts „Gewaltprävention an Sendener Bildungseinrichtungen – von der Kita bis zur Sekundarstufe 1“. 14 Erzieherinnen und der Leiter des Kinderzentrums St. Christopherus, Winfried Mühleck, der auch zugleich Gastgeber war, trainierten die 28 Lektionen des Faustlos-Programms, das vom Heidelberger Präventionszentrum erarbeitet worden und wissenschaftlich wiederholt als bewährt eingestuft worden ist. Gabriele Ullrich aus München leitete diese ganztägige Fortbildung. Dies war nur durch großzügige finanzielle Förderungen von Sponsoren möglich geworden, darunter die Bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk. Jeder Kindergarten hat außerdem einen Faustlos-Materialkoffer im Wert von 450 Euro überreicht bekommen. (az)


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