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Die Presse über die HPZ-Programme


"Unsere Kulturen müssen sich öffnen"


Deutschunterricht soll Schule machen


Spritze gegen Gewalt gibt es nicht


Faustlos!


Faustlos soll Soziales unter den Kindern verbessern


"Faustlos" will das soziale Klima unter den Kindern verbessern


Wenn der Wilde Willi die Ruhige Schnecke überrumpelt


Wenn der "Wilde Willi" die "Liebe Schneck'" schrecktabsol


"Eltern sind oft überfordert" (Interview mit Prof. Dr. Cierpka)


Ohne Titel

Im Einzelnen:

  "Unsere Kulturen müssen sich öffnen"

Von Barbara Kerbel


Usingen. "Wir beginnen ein Projekt, nach dessen Grundsätzen wir eigentlich schon handeln", sagte Schulleiterin Karin Girsch. Damit begrüßte sie die Gäste der moslemischen Gemeinde Usingen in der Astrid-Lindgren-Schule: Abdul-Vekil Kraalp, der Imam der Moschee, Ahmet Ustar, Vorsitzender des türkischen Kulturzentrums und Ilknur Baltaci von der Gruppe der türkischen Frauen waren in die Schule gekommen, um eine Spende in Höhe von 520 Euro für das Projekt "Faustlos" zu überreichen. Bei "Faustlos" handelt es sich um ein Projekt zur Gewaltprävention in Kindergärten und Schulen. Ziel ist es, soziale Wahrnehmung und Kompetenzen der Kinder zu schulen und auf diese Weise dem Entstehen von Gewalt vorzubeugen. Das Material zu "Faustlos" beinhaltet zum Beispiel Folien mit Fotos von Kindern, die verschiedene Emotionen zeigen. "Anhand der Bilder lernen die Kinder, Gefühle richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Dies wird im Unterricht besprochen", erklärt Lehrerin Susanne Sielemann. Auf die so definierten Verhaltensregeln soll dann auch in kritischen Situationen immer wieder hingewiesen werden – Intervention mit dem Ziel, das Sozialverhalten der Kinder zu verbessern. Von dem Projekt habe man von mehreren Seiten erfahren, berichtete Schulleiterin Girsch: aus der Zeitung, von interessierten Eltern und durch die Zusammenarbeit mit den Kindergärten, an denen "Faustlos" bereits praktiziert wird. "Irgendwann war klar, dass wir das machen wollen." Das Kollegium habe die Initiative einstimmig beschlossen und sei nun in der Vorbereitungsphase – das heißt, es müssen Spenden gesammelt werden, um "Faustlos" finanzieren zu können.

Die Ziele des Gewaltpräventionsprojektes entsprächen in vielerlei Hinsicht denen des Islam, sagte der Imam, übersetzt von Ahmet Ustar und Ilknur Baltaci. "Auch bei uns in der Moschee lernen die Kinder, brüderlich miteinander umzugehen." Aus diesem Grund sei das türkische Kulturzentrum sehr angetan von dem Projekt und habe sich zur Spende entschlossen. Die Anwesenden begrüßten einhellig die mit der Spende begonnene Zusammenarbeit zwischen der Grundschule und der türkischen Gemeinde. Sie nutzten aber auch die Gelegenheit, ein wichtiges Problem anzusprechen. "Oft scheitert die Kontaktaufnahme der Schule mit den türkischen Familien daran, dass die Mütter kein deutsch sprechen", sagte Ilknur Baltaci. "Das ist schade." Schulleiterin Girsch, Lehrerin Sielemann und Elke Feller, Schülermutter und die erste Person, die von "Faustlos" in der Presse erfahren hat, appellierten an den Imam und an Ahmet Ustar, die türkischen Mitbürger noch stärker zum Deutschlernen zu bewegen. Nur so sei eine aktive Mitarbeit aller Eltern gemeinsam mit der Grundschule möglich, betonte Girsch. "Sagen sie das bitte ihrer Gemeinde, sie haben doch den größten Einfluss", wandte sich Elke Feller an den Imam. Die Idee eines Tages der offenen Tür im türkischen Kulturzentrum wurde einhellig begrüßt. "Nicht nur die deutsche Kultur muss die Türken aufnehmen, auch die türkische Kultur muss sich den Deutschen öffnen", sagte Feller.

  Deutschunterricht soll Schule machen

USINGEN (sam). An der Usinger Astrid-Lindgren-Schule freut man sich zurzeit über jeden Euro. Denn dieser bringt die Mitarbeiter ihrem Ziel ein bisschen näher, und dieses heißt "Faustlos". Das ist der Name eines Gewaltpräventions-Programms, das die Schule über Spenden finanzieren will. 3600 Euro muss sie hierfür berappen. "Zu dieser Summe fehlt uns noch einiges", erzählte die Rektorin der Grundschule, Karin Girscha. Um so größer war die Freude, als sie gestern von Ahmet Usta, dem Vorsitzenden des Türkischen Kulturzentrums in Usingen, einen Scheck in Höhe von 250 Euro entgegennehmen konnte. "Wir sind immer für Sie da, wenn Sie Hilfe brauchen", versprach er der Schulleiterin.
Vor der Scheckübergabe diskutierten Rektorin, Zentrumsvorsitzender, zwei Mütter, eine Lehrerin und der Religionsgelehrte des Türkischen Kulturvereins über die Probleme im Schulalltag. "Viele türkische Mütter kriegen es überhaupt nicht mit, dass an der Schule das Projekt gestartet werden soll", erzählte Ilknur Baltaci, Mutter einer Schülerin. Sie hatte den Kontakt hergestellt. Die Kinder kämen mit einem Faltblatt über "Faustlos" nach Hause, die Mütter seien jedoch oft des Deutschen nicht mächtig und könnten das Blatt nicht lesen. "Es ist ungeheuer wichtig, dass die Mütter Deutsch sprechen", meinte auch Rektorin Girscha. Schließlich würden diese während der Grundschulzeit ihrer Kinder noch eine große Rolle spielen. Es sei aber so, dass ausländische Mütter häufig nicht an den Aktivitäten teilnähmen und sich auch nicht beim Elternsprechtag blicken ließen. Ein weiteres Problem sei die Sprachentwicklung ihrer Kinder. "Wenn sie zu Hause nur in ihrer Heimatsprache reden können, haben sie in der Schule ein Problem", meinte Girscha. Dies bestätigte auch Baltaci. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, ihre Eltern wanderten aus der Türkei ein. Als Baltaci in die Schule kam, verstand sie kaum ein Wort Deutsch und blieb schließlich in der ersten Klasse sitzen. "Es war schrecklich. Alle meine Freundinnen durften in die nächste Klasse, nur ich nicht", erzählte die vierfache Mutter. Sie selbst hat ihre Kinder zweisprachig aufgezogen. Sie sprechen fließend Deutsch und Türkisch. Die türkischen Mütter müssten nicht nur für ihre eigene Integration Deutsch lernen, sondern auch für das Wohl ihrer Kinder, meinte sie. Ahmet Usta berichtete, dass im Kulturzentrum günstige Sprachkurse angeboten werden. Die Mitarbeiter der Astrid-Lindgren-Schule hoffen, dass sie bis Ende dieses Jahres genügend Geld zusammen haben und mit dem "Faustlos"-Projekt beginnen können. Spenden werden gerne angenommen.

  Spritze gegen Gewalt gibt es nicht

LOKALAUSGABE / EMMERICH
AGGRESSION / Emmericher und Reeser Schulen befassten sich mit "Faustlos"-Programm, um Konflikte besser zu bewältigen.

EMMERICH/REES. Es gibt Fälle in der Medizin, da reicht eine Spritze - und schon ist der Patient geheilt oder hat zumindest keine Schmerzen mehr. Darum beneidet so mancher Lehrer den Arzt. Denn solch ein schnell wirkendes Mittel hätte er gerne, um gegen Gewalt an der Schule vorzugehen. Über eine lange Zeit muss dagegen gearbeitet werden. Ein Prozess, bei dem aber die Methode von so genannten "Faustlos"-Seminaren helfen kann. 26 Lehrer aller Emmericher und Reeser Schulen machten sich hierüber durch eine Fortbildung an der Liebfrauen-Grundschule schlau.

Lehrer sind keine Therapeuten und müssen trotzdem Streit schlichten. Oftmals können sie erst eingreifen, wenn bereits geschlagen oder gestoßen wurde. Mancher fühlt sich mitunter ohnmächtig. Das Gefühl kennt auch Liebfrauen-Schulleiter Heribert Feyen. Weggucken mag er da gar nicht. Also sorgte Feyen dafür, dass ein "Faustlos-koffer" mit Materialien für eine Gewaltprävention an seine Schule kam. Doch die Einsicht stellte sich ein: Der Koffer "macht nur Sinn mit einer Fortbildung dazu", so Feyen. Die gab es nun gestern.

Als Trainerin schulte Helga Gutzke aus Braunschweig in der Faustlos-Methode, die ursprünglich aus Amerika stammt und an der Uni Heidelberg für deutsche Verhältnisse umgearbeitet wurde. "Zeit, die sie dabei anfangs in die Arbeit mit Kindern investieren, bekommen Sie zurück." Weil Kinder Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. "Dann müssen nicht mehr fünf Konflikte vor Unterrichtsbeginn gelöst werden."

Wichtiges Prinzip: Die Gewalt muss aufgegriffen und im Unterricht aufgearbeitet werden. Die Arbeit "mit Tätern und Opfern" beginnt. Dabei sollen beide "die Gefühle des anderen kennen lernen, nachfühlen und Verständnis entwickeln." Impulse sollen durch Problemlösungsstrategien kontrolliertwerden. Das Faustlos-Programm ist auf drei Jahre für Grundschulklassen angelegt. "Je früher angefangen wird, desto besser", weiß Helga Gutzke.

Acht Stunden dauert die Fortbildung, in der "allen viel abverlangt wurde", sagt Liebfrauen-Schulleiter Heribert Feyen anschließend. Nach der Theorie war es in die Praxis gegangen. "In kleinen Gruppen schlüpfte jeder Teilnehmer mal in die Rolle des Lehrenden und mal in die des Kindes."

Beeindruckt hat Feyen zum Beispiel, wie ein bewusstes Innehalten hilft mit einem Konflikt umzugehen, bevor man reagiert." Damit bestehe die Möglichkeit, aus gewohnten Verhaltensmustern auszubrechen. Die Erkenntnisseaus "Faustlos" sollen in Speelberg umgesetzt werden - so wie auch anderswo. Zum Beispiel an der Leegmeerschule, die auch teilnahm. "Mit Hilfe von ,Faustlos wollen wir vorbeugen", erklärt Schulleiter Michael Voller. Die Schule war bereits aktiv - seit zwei Jahren greifen so genannte Streitschlichter, also Schüler, in Konflikte ein. Der Angegriffene hält die Hand hoch und der Aggressor weiß, dass er auffällt. Das Prinzip "funktioniert im kleinen Rahmen."

Das Streitschlichterprogramm gibt es auch an der Gemeinschaftsgrundschule Hinter dem Mühlenberg. Meist agieren hier Lehrer, mittlerweile aber auch Kinder. Außerdem engagiert sich hier eine Schulsozialarbeiterin. Sie kümmert sich um vernächlässigte Kinder, denen Zuwendung fehlt. Was aus solch einem Mangel entstehen kann, versteht sich von selber. Nun soll "Faustlos" seine Wirkung entfalten.

Allerdings gibt es ein Problem: Nur die Liebfrauenschule hat zwei "Faustlos"-Koffer. Doch - ganz kollegial - sollen sie auch zu den anderen Schulen "wandern".
MICHAEL VEHRESCHILD

NRZ

  Faustlos!

Prinzessin Beatrice und LBS für Kinder

Von Andrea und Peter Pollak. Gerade erst der Chrysanthemenball – und jetzt schon wieder ein „Auftritt“ für die gute Sache bei der Bayerischen Landesbausparkasse (LBS) – und das nicht nur, weil Adel verpflichtet, sondern weil sie sich die Sache zur Herzenssache gemacht hat: Prinzessin Beatrice vo Bayern ist unermüdlich für die Stiftung „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt“ und ihr Projekt „Faustlos“ unterwegs. Ihr Hoheit zum Münchner Wochenblatt: „Wenn ich von einer Sache wirklich überzeugt bin, dann setze ich mich voll und ganz dafür ein. Faustlos gehört dazu. Zumal ich als Mutter von drei Buben mit dem Thema konfrontiert worden bin. Einer meiner Söhne wurde in der Schule angegriffen. Und man kann gar nicht frühzeitig genug damit anfangen, etwas gegen Gewalt zu unternehmen!“ Und da freut sie sich schon sehr, dass die LBS ihr Anliegen unterstützt.
Denn aus Anlass ihres 5-jährigen Jubiläums hat die LBS jetzt eine soziale Initiative gestartet und dafür ihren Slogan „Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause“ in „Ein Zuhause für Generationen“ abgewandelt. Unter diesem Motto widmet sie sich der Gewaltprävention in Grundschulen und Kindergärten sowie der Frühförderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Für 500.000 Euro wird die LBS im Rahmen des Projekts „Faustlos“ eintausend Patenschaften für Grundschulen und Kindergärten in ganz Bayern übernehmen. Außerdem unterstützt sie mit 100.000 Euro das Frühförderprogramm „Opstapje – Schritt für Schritt“, das vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) betreut wird. „Faustlos“, das Projekt, das Prinzessin Beatrice so am Herzne liegt, ist ein Programm, das impulsives und aggressives Verhalten von Kindern vermindern und ihre sozialen Kompetenzen erhöhen soll. Es vermittelt in 51 Lektionen Kompetenzen in den Bereichen Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut. Das Programm beinhaltet die Fortbildung von zwei Lehrern beziehungsweise Erziehern sowie den „Faustlos“-Koffer mit den Lernmaterialien – den Prinzessin Beatrice symbolisch an LBS-Geschäftsführer Dr. Franz Wirnhier übergibt. Als „herausragendes und nachamenswertes Beispiel“ für Social-Sponsoring bezeichnet Bayerns Familienministerin Christa Stewens das Engagement der LBS Bayern. Franz Wirnhier: „Tausend Patenschaften heißt, nahezu jede zweite Grundschule in Bayern wird am Ende der Laufzeit unserer Förderung im Jahr 2005 eine „faustlose“ Schule sein!“ Apropos: Das Antragsformular kann im Internet auf den Jubiläumsseiten der LBS unter www.75Jahre-lbs-bayern.de heruntergeladen werde!

  Faustlos soll Soziales unter den Kindern verbessern

Usingen „Faustlos“, ein Projekt zur Gewaltprävention an Schulen, kommt dank Spenden, immer besser in Schwung. Dieser Tage konnte sich die Astrid-Lindgren-Schule über eine Spende von 100 Euro aus den Reihen der Kinder-Turnabteilung der Usinger Turn- und Sportgemeinde freuen. Die Lehrerfortbildung und die Anschaffung von Ausbildungsmaterial kommt somit immer mehr in greifbare Nähe. Das Programm „Faustlos“ ist mehr als nur Gewaltprävention. Es dient der Persönlichkeitsentwicklung. Ziel ist es, weniger Gewalt und mehr soziale Kompetenzen bei Kindern zu wecken. Einer der Leitgedanken des Projektes bringt es auf den Nenner: „Wir wollen so miteinander umgehen lernen, dass alle sich wohl fühlen können.“ Wichtig für das Projekt, das sich der Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention bei aggressiven und gewaltbereiten Verhalten von Kindern annimmt, ist, es weiter publik zu machen, damit es in der Öffentlichkeit eine entsprechende Unterstützung findet. Im Rahmen ihrer Kinder-Weihnachtsfeier hatte sich die Kinder-Turnabteilung in der Usinger TSG der Unterstützung des Projektes angenommen. Sammelbüchsen machten die Runde in denen 100 Euro unter dem Strich zusammengekommen waren. Ulla Lehl, Leiterin der AbteilungTurnen in der UTSG, kenn die Probleme und weiß wovon sie spricht. „Mit dem Projekt „Faustlos“ haben wir eine Chance“, so die engagierte Turnerin, „das soziale Klima in Kindergärten, Schulen, und in den Vereinen zu verbessern.“

Schulleiterin Karin Girscher nickt zustimmend, und ahnt dass es mit Sammlungen allein nicht getan ist. Präventionen müssten im Unterricht das Ziel haben, weniger Gewalt und mehr soziale Kompetenzen bei Kindern zu fördern. Gemeinsam mit Lehrerin Susanne Sielemann, die sich an der ALS besonders dem Projekt „Faustlos“ annimmt, wird zur Umsetzung des Vorhabens einer der Schwerpunkte die Ausstattung mit Lehr- und Fortbildungsmaterial und die Lehrerfortbildung sein. Hiezu stellt das Heidelberger Präventionszentrum „Faustlos GmbH“, Handbücher mit Vorschlägen zur Unterrichtsgestaltung und Lehrerweiterbildung, Fotofolien und weiteres Anschauungsmaterial bereit. Elke Feller, Mutter und eine der großen Fürsprecherinnen von „Faustlos“, weiß, je mehr man darüber erzählt und auf die Probleme aufmerksam macht, um so bekannter und unterstützungsbereiter wird das Vorhaben. Dem stimmte auch UTSG-Vorsitzender Achim Saltenberger zu, der hofft, dass dem Beispiel der Kinder-Turnabteilung der Usinger TSG, weitere Gruppen und Vereine folgen mögen. Spenden nimmt der Förderverein der ALS (BLZ 510 500 15; Konto Nummer: 304 142 065) mit dem Stichwort „Faustlos“ entgegen.

  "Faustlos" will das soziale Klima unter den Kindern verbessern

Projekt zur Gewaltprävention wird durch Spenden gefördert – 100 Euro von Usinger TSG

USINGEN (br.). „Faustlos“, ein Projekt zur Gewaltprävention an Schulen, kommt dank Spenden, immer besser in Schwung. Dieser Tage konnte sich die Astrid-Lindgren-Schule über eine Spende von 100 Euro aus den Reihen der Kinder-Turnabteilung der Usinger Turn- und Sportgemeinde freuen. Die Lehrerfortbildung und die Anschaffung von Ausbildungsmaterial kommt somit immer mehr in greifbare Nähe. „Faustlos“, über das wir bereits mehrfach berichtet haben, ist mehr als nur Gewaltprävention. Es dient der Persönlichkeitsentwicklung. Ziel ist es, weniger Gewalt und mehr soziale Kompetenzen bei Kindern zu wecken. Einer der Leitgedanken des Projektes bringt es auf den Nenner: „Wir wollen so miteinander umgehen lernen, dass alle sich wohl fühlen können.“ Wichtig für das Projekt, das sich der Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention bei aggressiven und gewaltbereiten Verhalten von Kindern annimmt, ist, es weiter publik zu machen, damit es in der Öffentlichkeit eine entsprechende Unterstützung findet. Im Rahmen ihrer Kinder-Weihnachtsfeier hatte sich die Kinder-Turnabteilung in der Usinger TSG der Unterstützung des Projektes angenommen. Sammelbüchsen machten die Runde in denen 100 Euro unter dem Strich zusammengekommen waren. Ulla Lehl, Leiterin der AbteilungTurnen in der UTSG, kenn die Probleme und weiß wovon sie spricht. „Mit dem Projekt „Faustlos“ haben wir eine Chance“, so die engagierte Turnerin, „das soziale Klima in Kindergärten, Schulen, und in den Vereinen zu verbessern.“

Schulleiterin Karin Girscher nickt zustimmend, und ahnt dass es mit Sammlungen allein nicht getan ist. Präventionen müssten im Unterricht das Ziel haben, weniger Gewalt und mehr soziale Kompetenzen bei Kindern zu fördern. Gemeinsam mit Lehrerin Susanne Sielemann, die sich an der ALS besonders dem Projekt „Faustlos“ annimmt, wird zur Umsetzung des Vorhabens einer der Schwerpunkte die Ausstattung mit Lehr- und Fortbildungsmaterial und die Lehrerfortbildung sein. Hiezu stellt das Heidelberger Präventionszentrum faustlos GmbH, Handbücher mit Vorschlägen zur Unterrichtsgestaltung und Lehrerweiterbildung, Fotofolien und weiteres Anschauungsmaterial bereit. Elke Feller, Mutter und eine der großen Fürsprecherinnen von „Faustlos“, weiß, je mehr man darüber erzählt und auf die Probleme aufmerksam macht, um so bekannter und unterstützungsbereiter wird das Vorhaben. Dem stimmte auch UTSG-Vorsitzender Achim Saltenberger zu, der hofft, dass dem Beispiel der Kinder-Turnabteilung der Usinger TSG, weitere Gruppen und Vereine folgen mögen. Spenden nimmt gerne auch der Förderverein der Astrid-Lindgern-Schule: BLZ 510 500 15 Konto Nummer: 304 142 065 mit dem Stichwort „Faustlos“ entgegen.

  Wenn der Wilde Willi die Ruhige Schnecke überrumpelt

Jungen und Mädchen üben beim Programm „Faustlos“ den respektvollen Umgang miteinander – Sechs Böblinger Kindergärten beteiligt


BÖBLINGEN. Wenn 25 Dreikäsehochs mal eben „wütend sein“ spielen, wirkt das äußerst putzig. Doch für die Kleinen in einigen Böblinger Kindergärten ist das ein wichtiger Schritt im Rahmen des Sozialtrainings „Faustlos“. Von Gerlinde Wicke-Naber.

Der wilde Willi ist ein ungestümer Geselle. Aufbrausend und vorlaut drängelt er sich gerne vor. Die ruhige Schnecke hat Probleme, sich gegen den lärmenden Stoffhund durchzusetzen. Denn das Weichtier ist schüchtern und brav und verkriecht sich, wenn es zu laut wird, ins Schneckenhaus.

Die 25 Kinder im Kindergarten Geschwister-Scholl-Straße 20 lieben die beiden Handpuppen, die zu Anfang jeder Gewaltpräventionslektion auftauchen. Die Temperatmentvollen identifizieren sich mit Willi, die Ruhigen mit der betulichen Schnecke. Und so ganz nebenbei lernen beide Gruppen, wie sie miteinander auskommen können. Heute dreht sich alles um Gefühle. Kindergartenleiterin Stefanie Dahlem zeigt großformatige Farbkartons. „Das ist Mehmet“, sagt sie und hält das Bild eine kleinen Jungen hoch. Mit verschränkten Armen, niedergeschlagenen Augen und zusammengebissenem Mund wirkt der Kleine ganz schön wütend. „Was glaubt ihr, wie fühlt er sich“, will sie von den Drei- bis Sechsjährigen wissen. „Ich glaube, der ist stinkig“, meint Nathalie. „Der guckt sauer“, findet Özgen. Wahrnehmen, wie es dem anderen geht, steht am Anfang des sozialen Trainings, das alle 73 Kinder der Tagesstätte seit Januar absolvieren. „Faustlos“ nennt sich das Programm. Die Erzieherinnen von sechs städtischen Kindergärten wurden im vergangenen Jahr von Mitarbeitern des Heidelberger Präventionszentrums geschult. Ursprünglich stammt das Training aus den USA und wurde 1996 als Modellprojekt zunächst vom Bundesfamilienministerium und später vom Kultusministerium des Landes gefördert. Bundesweit nehmen zur Zeit 600 Schulen und 400 Kindertagesstätten am Programm teil.

„Die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen nimmt zu“, sagt Sozialpädagogin Dahlem, „da wollen wir bereits zeitig anfangen, den Kindern andere Verhaltensweisen aufzuzeigen.“ Einzugsgebiet des Kindergartens ist der Böblinger Statdtteil Grund. Etwa 80 Prozent der Kleinen kommen aus ausländischen Familien. Viele können an ihrem ersten Kindergartentag kein Wort Deutsch. Umso wichtiger scheinen klare Regeln zu sein. Wie schaffe ich es, dass die anderen mich mitspielen lassen? Darf ich zuschlagen, wenn mich ein anderes Kind ärgert? Solche alltäglichen Situationen üben die Jungen und Mädchen in Rollenspielen ein. Knapp 9000 Euro hat das gemeinsame Projekt von Amt für Jugend, Schule und Sport und der Böblinger Frauenbeauftragten bisher gekostet, inklusive Materialkoffer für jede Tagesstätte. Die bereits ausgebildeten Erzieherinnen sollen als Multiplikatorinnen ihr Wissen an die Kolleginnen der anderen insgesamt 24 Einrichtungen weitergeben. Im Kindergarten Peterstaler Straße läuft das Programm bereits seit Sommer. Die ersten Erfahrungen von Leiterin Roswitha Fiedler sind durchweg positiv. Zumindest kurzfristig könnten sich die Kinder an die vereinbarten Regeln halten. Besonders beliebt ist das Entschuldigunsritual: „Tut mir leid, das war aus Versehen.“

  Wenn der "Wilde Willi" die "Liebe Schneck'" schrecktabsol

Böblinger Kindergartenkinder lernen beim Gewaltpräventions-Projekt "FAUSTLOS" soziale Kompetenz

Gewaltprävention muss früh ansetzen und nicht erst, wenn Kinder groß und Verhalten verfestigt ist. "FAUSTLOS" heißt deshalb ein Projekt, mit dem Böblinger Kindergärten zurzeit Neuland beschreiten. Erste Erfolge sind sichtbar, sagen die Erzieherinnen.

Kindergarten Peterstaler Straße. Ein Junge rempelt einen Altersgenossen an, so dass der fällt. Alltag im "Kindi". Doch der "Täter" hastet nicht einfach davon, sondern guckt nach dem Kleinen, den er aus Versehen verletzt hat: "Tut mir Leid, das war ein Missgeschick. Ich wollte das nicht." Der Knabe in unserem Beispiel hat seine Lektion vom Vormittag kapiert. Lektionen eines Gewaltpräventions-Projekts, das nicht von ungefähr "FAUSTLOS" heißt und an den ersten sechs von 24 Böblinger Kindergärten angelaufen ist.

Dafür, dass die Unterrichtseinheiten zweier Psychologie-Professoren vom "Heidelberger Präventionszentrum" flächendeckend an den Kindis und Horten Einzug halten, spricht viel. Und das nicht nur, weil die Frauenbeauftragte der Stadtverwaltung, Angelika Baur, und der Gemeinderat das Vorhaben unterstützen. 9000 Euro wurden letztes Jahr dafür ausgegeben, dass ein Teil der Erzieherinnen nach Schulungen das pädagogische Material im Kopf und einige Requisiten im "FAUSTLOS"-Koffer hat. Etwa drei schöne Kinderporträt-Fotos, die ein trauriges, ein fröhliches und ein wütendes Kind zeigen.

Kindergarten Geschwister-Scholl-Straße, Stuhlkreis in der Katzengruppe. Leiterin Stefanie Dahlem (31) hat ihre Aufwartung gemacht und bespricht mit den 22 Dreikäsehochs, was sie auf den Bildern sehen. Mundwinkel nach oben, nach unten, Schlitzaugen vom Lachen, gesenkter Blick wegen Trauer, eine Zornfalte in der Stirn: Die Drei- bis Sechsjährigen verstehen die Gefühlsäußerungen und ahmen sie mit Freude nach. "Empathie", also das Einfühlungsvermögen in das jeweilige Gegenüber, ist Ziel dieser Lektion. 28 solche Lektionen gibt es, wöchentlich ein- bis zweimal werden sie geübt. "In der Regel eine halbe Stunde", sagt die Sozialpädagogin Stefanie Dahlem, die von dem "FAUSTLOS"-Material sehr angetan ist. Setzt es doch auch dort an, wo sich die Kinder intellektuell befinden. Und so hüten auch der kleine Stoffhund "Wilder Willi" und die "Liebe Schneck'" den Koffer, bis sie bei kleinen Rollenspielen in Aktion treten. Ein richtiger Draufgänger, ein ungestümer, ist der "Wilde Willi", so dass die "Liebe Schneck'" überhaupt nicht dazu kommt, sich den Kindern vorzustellen, und sich in ihr Schneckenhaus zurückzieht. So geht das natürlich nicht, sagen die Kinder - und lehren den "Willi", was Zurückhaltung heißt. Während man in der Geschwister-Scholl-Straße am Anfang des Projekts ist, hat man in der Peterstaler Straße schon ein starkes halbes Jahr Erfahrung. Für abschließende Urteile reiche das zwar nicht, meint Leiterin Roswitha Fiedler (49). Sie geht aber davon aus, dass spätestens die Grundschullehrer davon profitieren werden, denn: "Unsere Kinder sind fasziniert davon. Sie machen gut mit." Ihre Übungen, so Fiedler, erledigten sie pflichtbewusst, etwa diejenige, wie man sich verhält, wenn man wo mitspielen will. "Was tut ihr? - Ich sag was Nettes - Und ich frage: Darf ich mitspielen?", so wird's den Kindern nahe gelegt. So wird es übernommen, weil Kinder ja am lebendigen Objekt lernen, das erwachsene Vorbild nachahmen. "Kinder sind natürlich immer in einem Entwicklungsprozess", kann Erzieherin Roswitha Fiedler keine A-/B-Vergleiche ziehen, glaubt aber: "Das Projekt wirkt langfristig schon." "FAUSTLOS" ist ein in den USA entwickeltes Curriculum, das impulsives und aggressives Verhalten von Kindern im Vorschulalter vermindern und ihre soziale und emotionale Kompetenz steigern soll. Probleme und Konflikte sollen damit konstruktiv und nicht mit Gewalt gelöst werden.

Weitere Infos auch im Internet unter www.faustlos.de

  "Eltern sind oft überfordert" (Interview mit Prof. Dr. Cierpka)

Nachgefragt: Konzept „Faustlos“

Ist es sinnvoll, Dreijährige mit Lernprogrammen auf adäquates soziales Verhalten zu trimmen? Gerlinde Wicke-Naber hat sich mit dem Heidelberger Professor Manfred Cierpka unterhalten, der das amerikanische Konzept „Faustlos“ auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten hat.

Sind Kinder heute aggressiver als früher?

Dass sich Kleinkinder mal die Schaufel über den Kopf hauen – das war immer so. Wir haben keine Vergleichszahlen, aber eine Untersuchung hat ergeben, dass Erzieherinnen 20 Prozent aller Kinder als verhaltensauffällig wahrnehmen.


Was ist die Ursache für die zunehmende Gewaltbereitschaft?

Es handelt sich um ein „Flexibilisierungsproblem“. Die Familienstrukturen lösen sich auf. Großeltern, die Erziehungsfehler der Eltern auffangen können, leben meist weit weg. Durch die Anforderungen des modernen Arbeitsmarkts fühlen sich viele Eltern zudem so unter Druck, dass sie ihre Erziehungsaufgabe nicht mehr richtig wahrnehmen können.


Macht das Sozialtraining in der Kita Sinn, wenn die Eltern etwas anderes vorleben?

So wie viele Kinder von Anfang an zweisprachig aufwachsen, lernen sie auch , dass es zwei Beziehungsmuster gibt: Eines gilt in der Familie, ein anderes in Kita und Schule.


Sind Drei- und Vierjährige mit dem Programm nicht überfordert?

Im Gegenteil. Das Kindergartenalter ist der späteste Zeitpunkt, um mit einem effizienten sozialen Training zu beginnen. Wir müssen sogar noch früher anfangen.

  Ohne Titel

"Faustlos" ist ein im Allgäu bereits bestens bekanntes Schulprojekt. So bedankte sich Schulleiter Wolfgang Türk zunächst auch bei Dr. Irene Epple-Waigel und dem Füssener Lionsclub dafür, dass sie die Veranstaltung in der Pfrontener Grundschule ermöglicht hätten. Die Zwischenbilanz zum "Faustlos"-Projekt, so der Schulleiter vor zahlreichen Eltern und Lehrern, stehe unter dem Motto: "Wir geben der Gewalt keine Chance". Gastreferent war Dr. Andreas Schick von der Universität Heidelberg, außerdem berichtete Lehrerin Inge Berwig von den Praxiserfahrungen mit "Faustlos" in den 1. und 2. Klassen der Pfrontener Grundschule.

Ein Curriculum zur Gewaltprävention und zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen solle vorgestellt werden, so Rektor Türk in seiner Begrüßung. Darüber hinaus wolle man Hilfen und Ratschläge für die Praxis geben und die Frage klären, wie man mit Aggression in der Schule umgehe. Drei Bedingungen für eine erfolgreiche Anti-Gewalt-Prävention stellte Referent Dr. Schick heraus: Je früher desto besser, ständige Wiederholung mit Breitenwirksamkeit sowie permanente Qualitätssicherung seien unabdingbare Voraussetzungen. Überdies sei eine Prävention ungleich billiger als Intervention, die übrigens auch erwiesenermaßen weniger erfolgreich sei. Intensiv müssten die speziellen Probleme aggressiver Kinder bekämpft werden. Diese könnten sich kaum in andere hinein versetzen, ihnen fehle die Impulskontrolle, zudem hätten sie Schwierigkeiten mit Gefühlen wie Ärger und Wut umzugehen. Aufgelöst in 51 Kleinschrittlektionen, genau abgestimmt auf die Altersstufe, spiralförmig aufgebaut, werde über 3 Grundschuljahre eine Lektion pro Woche erteilt. Schick stellte auch den Aufbau einer Beispiellektion mit Vorbereitung, Unterrichten sowie Vertiefen vor. Lektionsthema war: Ich-Botschaften formulieren, um Gefühle mitzuteilen. "Alle Lektionen", so der Fachmann, "beginnen immer mit einer Bildbesprechung". Ein besonderer Vorteil von "Faustlos", betonte Schick, sei die Ausrichtung auf bestehende Gruppen wie Schulklassen. Dies vermeide eine Stigmatisierung auffälliger Kinder.

In ihrem Praxisbericht schilderte Lehrerin Inge Berwig Erfahrungen mit "Faustlos", in der 1. und 2. Klasse. Die Kinder arbeiteten bei der Thematik sehr intensiv, so die Pädagogin, müssten sogar manchmal etwas gebremst werden. Besonders gefalle die mit dem Programm einhergehende positive Verstärkung der nicht aggressiven Kinder. Schwierigkeiten habe man allerdings mit der Zeit. "Alle Lektionen werden wir in den 3 Jahren sicher nicht schaffen". Viele Punkte wurden in der sich anschließenden Diskussion angesprochen. Besonders die fehlende Zeit für eine gründliche Behandlung eines so wichtigen Projektes im Unterricht wurde kritisiert. "Das Kultusministerium wird uns sicher nicht helfen", meinte dazu Rektor Wolfgang Türk. "Wir müssen uns die Zeit abzwacken. Wir haben zwar nicht viel Einfluss, aber wir können Mut beweisen und im Unterricht etwas tun, was wir für richtig halten". Den Wert des "Faustlos"-Projektes beschrieb schließlich am besten die Äußerung eines Kindes im Brief an eine der Projektleiterinnen: "Wir haben gelernt, dass man mit der Faust nichts anfangen kann"


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Die Presse über Faustlos

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