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Mit "Faustlos" gegen die Gewalt an Schulen

Im Einzelnen:

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Im Rhein-Neckar-Raum entwickeln 15 Schulen Modellprojekt

Rhein-Neckar. Gewalt an Schulen nimmt zwar zahlenmäßig nicht zu, jedoch wird eine veränderte Qualität der Gewalttätigkeiten festgestellt. Diese Forschungsergebnisse der letzten Jahre bestätigen auch Pädagogen: "Die Gewalt wird brutaler", bestätigt auch der Rektor der Pestalozzi-Schule in Edingen, Werner Schmiedel. Die dortige Grundschule ist eine von 15 Modellschulen im Rhein-Neckar-Raum, die an dem Projekt "Faustlos" teilnimmt. Ziel von "Faustlos" ist es, Gewaltbereitschaft von Schülern vorzubeugen. In den USA wird ein ähnliches Programm seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Es soll impulsives und aggressives Verhalten von Kindern vermindern und das Sozialverhalten stärken.
Studien zufolge sind etwa 15 Prozent der Schulkinder in Gewalttätigkeiten verwickelt. Anteil und Qualität der Gewalt hängt vom Schultyp, dem Alter und dem sozialen Umfeld ab. Doch stellt Renate Ritter, seit 25 Jahren Lehrerin an der Pestalozzi-Grundschule die Tendenz zu mehr Egoismus, Rücksichtlosigkeit, mangelndem Feingefühl und fehlendem Sozialverhalten schon im Grundschulalter fest. Diejenigen, die zuschlagen, seien letztlich nur wenige, aber gerade an diese Problemkinder sei äußerst schwer heranzukommen. Obwohl es Zeit kostet und mehr Arbeitsaufwand bedeutet, beteiligen sich die Lehrerin und ihre Kolleginnen gerne an dem dreijährigen Projekt.
"Faustlos", das unter der Anleitung eines Psychologenteams von der "Abteilung für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie" der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit der dortigen Pädagogischen Hochschule durchgeführt wird. Um bewerten zu können, wie effektiv "Faustlos" als Präventionsprogramm ist, werden den 15 mitwirkenden Schulen acht Schulen gegenübergestellt, die nicht daran teilnehmen und das Verhalten der Kinder verglichen. Die Lehrer werden vom Projektteam vorab trainiert und kontinuierlich begleitet. Die Eltern werden in das Programm einbezogen. Es hat drei Säulen: Im Bereich "Empathie" sollen die Kinder lernen, die Gefühle anderer wahrzunehmen, zu verstehen und zu erwidern. Die Unterrichtseinheit "Impulskontrolle" zielt darauf, Probleme in Gedankenschritten gemeinsam systematisch zu lösen, dazu gehört auch die Fähigkeit, sich zu entschuldigen. Im Umgang mit Ärger und Wut schließlich wird darauf abgezielt, Auslöser von Ärger wahrzunehmen und Beruhigungstechniken einzusetzen, um Wutanfälle zu verhindern. Die einzelnen Lektionen werden aufeinander aufbauend in den ersten drei Grundschulklassen ein Mal pro Woche unterrichtet.
Den Kindern werden auf Bildern ganz bestimmte soziale Situationen – also etwa eine Konfliktsituation - vorgestellt. Diese werden gemeinsam diskutiert, Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und in einem Rollenspiel nachempfunden. Erste Erfahrungen an der Edinger Grundschule sind sehr positiv. "Die Kinder sind mit Begeisterung dabei." Treten unter den Schülern Konflikte auf, so werden sie nach dem Motto "Faustlos" durchgesprochen. Auch an Mannheimer Schulen laufen Projekte gegen Gewalt.

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  Mit "Faustlos" gegen die Gewalt an Schulen

In Deutschland bislang einmaliges Programm zur Vorbeugung von Aggressivität - Modellprojekt der Familientherapeuten an Heidelberger Schulen


Von Ingeborg Tzschaschel

Die Lehrerin zeigt den Kindern in der ersten Grundschulklasse ein großes Foto. Zu sehen ist Jonas. Seine Stirn ist gerunzelt, die Hände sind zu Fäusten geballt. Jonas ist zornig und wütend. Es sieht so aus, als ob er gleich losschlagen will. Zwischen der Lehrerin und den Schülern entsteht ein lebhaftes Gespräch. Dann fordert die Lehrerin die Kinder auf: "Zeigt mal, wie es ist, wenn Ihr wütend seid!"
Die Schulstunde, die mit dem Foto des wütenden Jonas beginnt, ist Teil von "Faustlos", einem Programm zur Vorbeugung von Gewalt an Schulen. Ab Februar 1999 soll es an 20 Grundschulen in Heidelberg und Mannheim eingesetzt werden. Das Projekt wird vom baden-württembergischen Kultusministerium gefördert. Leiter ist Prof. Manfred Cierpka, seit Juli 1998 Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg. Studien haben ergeben, daß 15 Prozent der Schulkinder in "Täter-Opfer"-Konflikte verwickelt sind, und jedes zehnte Kind von Mitschülerinnen und Mitschülern verfolgt und attackiert wird. Zudem gibt es in fast jeder Gruppe Kinder, die durch extrem aggressives und impulsives Verhalten auffallen. Diese Kinder werden von Gleichaltrigen meist zurückgewiesen. Die Folge ist, daß die abgelehnten Kinder die anderen herausfordern und sich häufig mit ihnen prügeln. Das aggressive Verhalten zieht sich durch ihr ganzes Leben. Wenn sie selbst Eltern werden, setzen sie die Gewalttätigkeit fort.
Während über aggressive Kinder schon seit langem geforscht wird, ist die Notlage von Kindern, die von ihren Altersgenossen unterdrückt werden, bisher noch zu wenig beachtet worden. Diese Kinder haben ein niedrigeres Selbstwertgefühl, sie haben keinen Erfolg in der Schule und ziehen sich zurück.
Prof. Cierpka betont, daß sich das Programm "Faustlos" zur Vorbeugung von Gewalt an Schulen, an alle Kinder richtet, so daß mögliche Täter und mögliche Opfer einen Nutzen davon haben und niemand diskriminiert wird.
"Faustlos" ist bislang einmalig in Deutschland. Es ist die deutsche Version des in den USA für Kindergärten und Schulen entwickelten Konzepts "Second Step". Das Programm hat das Ziel, impulsives und aggressives Verhalten von drei- bis zehnjährigen Kindern zu vermindern und ihr soziales Verhalten zu verstärken. So sind Kinder von Natur aus keineswegs aggressiv. Sie können aggressives Verhalten erlernen, aber auch wieder verlernen.
Prof. Cierpka und seine Mitarbeiter paßten "Faustlos" auf deutsche Verhältnisse an und überprüften das Konzept in einer Pilotphase an Göttinger Schulen mit positiven Ergebnissen. Neu an der Heidelberger Studie ist, daß sie über drei Jahre läuft, das Programm also in jeder Klasse vom ersten bis zum dritten Schuljahr eingesetzt wird.
Jede Lektion für eine Schulstunde besteht aus einem Vorbereitungsteil mit Fotos, einer Geschichte und Diskussionsfragen. Es folgen Rollenspiele und Übertragungen des Gelernten. Die Lerneinheiten bauen systematisch aufeinander auf. So sollen die Kinder durch "Faustlos" erkennen, was ein anderer Mensch fühlt, sie sollen sich in andere hineindenken und hineinfühlen lernen, das bedeutet, gefühlsmäßig auf einen anderen Menschen einzugehen. Sie sollen den Schmerz bei anderen Menschen wahrnehmen.
Sie sollen weiterhin lernen, Probleme auf eine positive Art zu lösen. Zudem ist es Ziel, daß die Kinder Anzeichen von Wut und Ärger bei sich selbst und anderen erkennen. Wutanfälle werden dadurch verhindert, und die Kinder haben die Möglichkeit, über den Vorfall nachzudenken, der den Ärger ausgelöst hat.
Prof. Cierpka und seine Mitarbeiter bieten den Lehrerinnen und Lehrern ein umfassendes Training sowie Bildmaterialien und ein Handbuch für "Faustlos" an. Weiterhin können die Lehrer an einer Supervisionsgruppe teilnehmen, in der Fortschritte, Erfolge und Probleme beim Unterrichten mit "Faustlos" erarbeitet werden. Das Programm bezieht auch die Eltern mit ein, so daß diese die neu gelernten Fähigkeiten ihrer Kinder zu Hause unterstützen können.
Die Heidelberger Familientherapeuten arbeiten auch mit der Pädagogischen Hochschule zusammen. So wird das Audio-Visuelle Zentrum der PH den Unterricht mit "Faustlos" auf Video aufnehmen.


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